Warum sind Dinosaurier ausgestorben und was hat der Asteroid damit zu tun?

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warum sind Dinosaurier ausgestorben
Foto: Sven // Adobe Stock
Warum sind Dinosaurier ausgestorben? Nicht nur der bekannte Asteroid hat den Dinos den Garaus gemacht - es gibt noch einen weiteren Faktor. Oder?

Millionen von Jahren lebten nur die Dinos auf unsere Erde. Eine Zeitspanne, die wir uns nur schwer vorstellen können. Und plötzlich fanden sie ein jähes Ende. Doch warum sind Dinosaurier ausgestorben? Genau lässt sich da natürlich nicht bestimmen, deshalb gibt es viele verschiedene Ansätze über den Untergang der Dinos. Der wissenschaftliche Streit schwelt schon seit Jahrzehnten: Sind die Dinosaurier, wie heute meist kolportiert, tatsächlich durch den verheerenden Einschlag des sogenannten Chicxulub-Asteroiden – mit einem Durchmesser von 14 Kilometer – vor 66 Millionen Jahren bei der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko ausgestorben? Durch seinen Einschlug gab es weltweit starke Erdbeben, Tsunamis und tausende Kubikkilometer an pulverisiertem und verdampften Gestein wurden in die obere Erdatmosphäre geschleudert. Daraufhin verdunkelte sich der Himmel für eine lange Zeit.

Oder war vielmehr die etwa zur gleichen Zeit stattfindende Ausbruchsserie einer Vulkankette im westindischen Dekkan-Trapp der entscheidende Faktor? Auch hier verdunkelte sich der Himmel, aber diesmal durch Asche und Staub. Im Rahmen einer „Schwefelthese“ wurde ein darauffolgender Temperatursturz von 26 Grad festgestellt. Diesen zu verkraften kostete die Erde vermutlich um die 30 Jahre. Welches der beiden Ereignisse das Massensterben auslöste ist bislang nicht abschließend geklärt. Klar ist: 75 Prozent aller lebenden Arten – Tiere wie Pflanzen – starben aus und verschwanden von der Erde.

Warum sind Dinosaurier ausgestorben: War es wirklich der Asteroid?

Die Geologen Alexander Cox und Brenhin Keller vom amerikanischen Dartmouth College haben nun quasi einen neutralen Schlichter eingesetzt, um den Zwist beizulegen: einen Computer. Sie verknüpften 130 Prozessoren zu einem Superrechner und fütterten ihn mit klimatologischen und geologischen Daten, die uns heute aus jener Zeit bekannt sind. Sie kehrten ein gängiges Modell des irdischen Kohlenstoffkreislauf für Prognosen in die Zukunft sozusagen um: Eine Berechnung, welche Ursachen zu den damals herrschenden Umweltbedingungen geführt haben könnten. „Ein Teil unserer Motivation bestand darin, diese Frage ohne eine vorgegebene Hypothese oder Voreingenommenheit zu bewerten“, sagt Cox, Erstautor der Studie und Doktorand am Department of Earth Sciences. „Die meisten Modelle bewegen sich vorwärts. Wir haben ein Modell des Kohlenstoffkreislaufs so angepasst, dass es in die andere Richtung läuft, indem wir den Effekt nutzten, um die Ursache anhand von Statistiken zu finden, und ihm nur das Nötigste an Vorinformationen lieferten, während es auf ein bestimmtes Ergebnis hinarbeitete.“ Über 300 000 Szenarien haben sie durchgerechnet.

Ergebnis: Laut Computer hatten beide Ereignisse ihren Anteil an dem damaligen Massenaussterben, das nicht nur die Dinosaurier, sondern rund drei Viertel aller seinerzeit existierenden Tier-und Pflanzenarten hinwegfegte. Der rund zehn Kilometer große Bolide hat nicht nur einen riesigen Krater gerissen, Feuersbrünste und turmhohe Tsunamiwellen ausgelöst. Er wirbelte auch jede Menge Staub auf, der den Himmel auf Jahre hinaus verdüsterte. Die Atmosphäre wurde instabil, war beladen mit sonnenbleichendem Schwefel, in der Luft schwebenden Mineralien und hitzespeicherndem Kohlendioxid. Die Temperaturen wechselten von eisig und sengend heiß.

Wie hängen Dinosaurier und Asteroid zusammen?

Die Vulkane des Dekkan-Trapps allerdings setzten im Verlauf von einer Million Jahren, die ihre erhöhte Aktivität andauerte, 10,4 Billionen Tonnen Kohlendioxid und fast ebenso viel Schwefel frei. Die Trapps waren bereits etwa 300.000 Jahre vor dem Chicxulub-Asteroiden in Mexiko ausgebrochen. Laut den Simulationen hätten ihre Folgen allein ausgereicht, um den Dinos den Garaus zu machen. Der Asteroid hätte quasi nur einen draufgesetzt. „Wir wissen aus der Vergangenheit, dass Vulkane zu massiven Aussterben führen können, aber dies ist die erste unabhängige Schätzung flüchtiger Emissionen, die auf der Grundlage ihrer Umweltauswirkungen erfolgt“, sagt Keller. „Unser Modell hat die Daten unabhängig und ohne menschliche Voreingenommenheit durchgearbeitet, um die Menge an Kohlendioxid und Schwefeldioxid zu bestimmen, die erforderlich ist, um die Störungen des Klimas und des Kohlenstoffkreislaufs hervorzurufen, die wir in den geologischen Aufzeichnungen sehen.“ Ob der Streit dadurch wirklich endet? Vor drei Jahren war eine britische Studie mit ähnlichen Simulationen noch zu einem anderen Ergebnis gekommen. Demnach sei der Hauptverursacher eindeutig der Asteroid gewesen, weil er das Klima schlagartiger veränderte.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.