Was beobachtet man auf der fliegenden Sternwarte „Sofia“?

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Foto (C): SciencePhotoLibrary
An Bord einer umgebauten Boeing 747 saust ein Teleskop durch die Stratosphäre. Es hat Infrarot-Signale aus dem All im Blick.

(Text: Frederik Kersting)

Der Hangar 703 des Nasa Armstrong Flight Research left beherbergt kein gewöhnliches Flugzeug. Zwar wirkt die Boeing 747 auf den ersten Blick wie eine Passagiermaschine. Doch im hinteren Teil des Fliegers fällt schnell die riesige Klappe auf, hinter der sich ein Teleskop mit einem 2,7 Meter großen Spiegel verbirgt. Unter dem Namen »Sofia«, kurz für „Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie“, sammelt die fliegende Sternwarte seit 2013 wissenschaftliche Daten und flog dazu im Jahr 2019 erstmals auch über Europa.

Zwar sind Infrarotwellen für das menschliche Auge unsichtbar, doch für die Astronomie ist diese Art der Strahlung durchaus interessant. Vor allem, weil sie besser als andere Wellenlängen interstellaren Staub durchdringt, und weil auch kühlere Sterne, etwa Braune Zwerge, Strahlen in diesem Bereich des Lichtspektrums aussenden. 

In 13 Kilometern Höhe trübt kein Wasserdampf den Blick ins All

Von den Daten von Sofia erhoffen Experten sich, die Entwicklung von Sternen, Milchstraßen- und Sonnensystemen besser zu verstehen. Die alte Boeing bewegt sich dazu in Flughöhen von rund 13 Kilometern und befindet sich damit in der sehr trockenen Stratosphäre. Hier gibt es kaum noch Wasserdampf, der ansonsten die Infrarotstrahlung absorbieren könnte. Die freie Sicht ins Weltall ist ein unschlagbarer Vorteil gegenüber den erdgebundenen Observatorien.

Foto (C): imago images / Arnulf Hettrich

Das Teleskop im Innern der fliegenden Sternwarte »Sofia«, einer umgebauten Boeing 747

Bei ihrem ersten Flug über Europa überquerte Sofia unter anderem Polen, Österreich, Kroatien und Italien. Dabei beobachteten die Forscher insbesondere zwei Schwarze Löcher im Zentrum der Galaxie Markarian 231, die rund 600 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. Die Forscher möchten die Daten nutzen, um die Entstehung besonderer Gasströme, sogenannter Radiojets, besser zu verstehen. Das Teleskop wurde aber etwa auch auf eine Region im Sternbild Schlange ausgerichtet, um die Entstehung von Sternen dort zu erforschen.

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 12/2020 erschienen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.