Das Schwarze Meer und seine schwierigen Lebensbedingungen

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Schwarze Meer
Foto: Romolo Tavani // Adobe Stock
In wenigen Gewässern sind die Lebensbedingungen so vielfältig und schwer wie im Schwarzen Meer. Doch wieso eigentlich?

Das Schwarze Meer ist ein einzigartiges und faszinierendes Gewässer, das sowohl geographisch als auch ökologisch eine bedeutende Rolle spielt. Es liegt zwischen Südosteuropa und Westasien und wird von sechs Ländern umrahmt: Bulgarien, Rumänien, Ukraine, Russland, Georgien und die Türkei. Seine Lebensbedingungen sind jedoch ungewöhnlich und stellen Herausforderungen wie auch besondere Chancen für die lebenden Organismen dar.

Das Schwarze Meer hat einen im Vergleich niedrigen Salzgehalt

Das Schwarze Meer ist etwa 422.000 Quadratkilometer groß und hat eine maximale Tiefe von ungefähr 2.212 Metern. Es ist durch die Meerenge des Bosporus mit dem Mittelmeer verbunden. Diese Verbindung hat einen erheblichen Einfluss auf die Strömungen, den Salzgehalt und die Biodiversität des Meeres.

Im Vergleich zu den Ozeanen hat das Schwarze Meer einen relativ geringen Salzgehalt, durchschnittlich etwa 18 ppt (parts per thousand), was es zu einem halbsalinen Gewässer macht. Diese geringe Salinität ist auf den Zufluss mehrerer großer Flüsse wie die Donau, Dnister, Dnjepr und Manytsch zurückzuführen.

Ein besonderes und herausragendes Merkmal des Schwarzen Meeres ist die sogenannte Halokline, eine Schicht, bei der der Salzgehalt einen starken Unterschied aufweist. Oberhalb dieser Schicht ist das Wasser weniger salzhaltig und reich an Sauerstoff, während unterhalb der Halokline das Wasser stark salzhaltig und nahezu vollständig sauerstofffrei ist.

In den Tiefen findet man so gut wie keinen Sauerstoff

Ein Großteil des Schwarzen Meeres, speziell bei Tiefen unterhalb von etwa 150 – 200 Metern, ist anoxisch, das heißt fast vollständig ohne freien Sauerstoff. Diese anoxischen Bedingungen sind für viele Organismen lebensfeindlich und erschweren das Leben in diesen Tiefen. Anstelle von Sauerstoff findet man hier hohe Konzentrationen an Schwefelwasserstoff (H₂S), welches durch anaerobe Bakterien produziert wird. Dieses giftige Gas macht das Leben für höhere Organismen unmöglich, schafft jedoch eine Nische für spezialisierte Mikroben.

Eine Studie fand 2016 heraus, dass die sogenannte „Todeszone“ schon in 90 Metern Tiefe beginnt. Ihre Ergebnisse zeigen, dass diese Zone sich über die Jahre weiter nach oben verlagert. im Jahr 1995 nämlich begann sie „erst“ bei 140 Metern. Der Lebensraum ist somit also um mehr als 40 Prozent geschrumpft.

Die oberflächennahe, sauerstoffreiche Schicht des Meeres ist jedoch reich an Leben. Hier findet man zahlreiche Fischarten wie den Europäischen Stör, Makrelen, Sardellen und den Schwarzen Kabeljau. Auch verschiedene Planktonarten und marine Pflanzen wie Seegras gedeihen in diesem Bereich. Die flacheren Küstengebiete sind Lebensräume für Muscheln, Austern und verschiedene Krustentiere.

Das Schwarze Meer steht vor einigen Herausforderungen

Das Schwarze Meer steht vor mehreren ökologischen Herausforderungen. Überfischung, industrielle Verschmutzung und Abwassereinleitungen stellen die bedeutendsten Bedrohungen dar. Die Zuflüsse aus den umliegenden Ländern bringen außerdem eine große Menge an Nährstoffen in das Meer, was zu erheblichen Umweltproblemen wie Algenblüten und der daraus folgenden Hypoxie (Sauerstoffarmut) in der Küstennähe führt.

In Reaktion auf diese Herausforderungen haben die Anrainerstaaten und internationale Organisationen verschiedene Maßnahmen ergriffen, um das Schwarze Meer zu schützen. Der Schwarzmeerkonvention (Convention on the Protection of the Black Sea Against Pollution), die 1992 unterzeichnet wurde, ist ein Beispiel für solche Bemühungen. Durch die Zusammenarbeit hoffen die beteiligten Länder, die nachhaltige Nutzung der marinen Ressourcen zu gewährleisten und die ökologischen Bedingungen zu verbessern.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.