Warum soll man Rhabarber nur bis Mitte Juni ernten?

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Foto (C): Alamy
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Die Blattstiele des Rhabarbers werden gerne zu Kompott, Konfitüren, Kuchen und auch zu Saft verarbeitet. Aber ist er vollkommen ungefährlich?

Ein typischer Ratschlag für Hobbygärtner lautet: Ab Mitte Juni Finger weg vom Rhabarber! Früher hieß es, das Gemüse, das irrtümlicherweise oft für Obst gehalten wird, sei dann giftig. Inzwischen weiß man, dass das nicht ganz richtig ist, es gibt allerdings einen wahren Kern: Die Stangen enthalten Oxalsäure, deren Gehalt beginnt ab dem Start der Erntezeit im April kontinuierlich anzusteigen.

Oxalsäure verbindet sich im Körper mit Kalzium zu kaum löslichen Komponenten. Sie können von der Darmschleimhaut nur eingeschränkt aufgenommen werden und sich auf dem Ausscheidungsweg in der Niere als Nierensteine ablagern. 100 Gramm der fruchtigen Stangen enthalten zwischen 180 und 765 Milligramm Oxalsäure. Um sich zu »vergiften«, müsste ein 60 Kilo schwerer Mensch allerdings rund 36 Kilo rohen Rhabarber essen. Das tut vermutlich niemand. Wer jedoch bereits zu Nierensteinen neigt, die auch aus Kalziumoxalat bestehen können, sollte besser die Finger zumindest von rohem Rhabarber lassen.

Rhabarber wird botanisch dem Gemüse, nicht dem Obst, zugeordnet

Beim Kochen, Blanchieren oder Dünsten wird ein Großteil der Oxalsäure ausgespült. Sie verursacht auch das stumpfe Gefühl auf den Zähnen nach dem Genuss von Rhabarber. Verbindet sie sich bereits im Mund mit Kalzium, kann das zu Ablagerungen auf den Zähnen führen. Um diese nicht noch mehr anzugreifen, sollte man danach mindestens eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen warten.

Rhabarber ist reich an Mineralien wie Kalium, Phosphor und Eisen und gilt daher als recht gesund. Der kalorienarmen Pflanze kam und kommt das Gerücht um ihre Giftigkeit durchaus zugute: Denn sie braucht, wie zum Beispiel auch der Spargel, Ruhezeit, um im Jahr darauf wieder reiche Ernte zu bringen. Bauern sprechen vom »Johannistrieb«, benannt nach dem Johannistag am 24. Juni, nach dem man nicht mehr ernten sollte.

(Text: Christine Schulz-Reiss)

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.