Turbulenzen beim Flug werden durch den Klimawandel verstärkt

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Turbulenzen beim Flug Klimawandel
Foto: dell // Adobe Stock
Der Klimawandel hat Einfluss auf viele Bereiche - auch auf den Flugverkehr? Steigen durch ihn sogar die Turbulenzen beim Flug?

Forschende vermuten schon lange, dass nicht nur der Flugverkehr schlecht fürs Klima ist, sondern umgekehrt auch der Klimawandel für die Fliegerei. Denn wenn sich die Atmosphäre durch unseren Ausstoß von Treibhausgasen erwärmt, fördert dies die Bildung von Scherwinden in den Jetstreams – jenen großen Windgürteln, die die Erde in hohen Luftschichten stetig umwehen. Und diese Scherwinde lösen Turbulenzen beim Flug bei völlig klarem Himmel aus. Forschende der britischen University of Reading rund um Mark Prosser haben diese Hypothese nun erstmals geprüft. Sie sammelten meteorologische Daten, die auf dem europäischen Copernicus-Satellitenprogramm beruhen und das Auftreten solcher Klarluft-Turbulenzen auf beliebten Flugrouten in verschiedenen Regionen der Welt beschreiben.

Die Turbulenzen beim Flug haben um 55 Prozent zugenommen

Ergebnis: Über dem Nordatlantik zum Beispiel haben auf einer der meistgeflogenen Routen starke Turbulenzen zwischen 1979 und 2020 um 55 Prozent zugenommen, von 17,7 Stunden auf 27,4 Stunden pro Jahr. Moderate und leichte Luftverwirbelungen nahmen um 37 Prozent auf 96,1 Stunden beziehungsweise um 17 Prozent auf 546,8 Stunden zu. Das sorgt nicht nur häufiger für unangenehmes Ruckeln im Flugzeug. Es erhöht auch die Kosten, weil die Maschinen häufiger gewartet werden müssen und Passagiere oder Personal sich bei heftigen Schlägen verletzen können. Allein in den USA belaufen sich die Schäden durch Turbulenzen pro Jahr auf 150 bis 500 Millionen US-Dollar. „Strukturell sind Flugzeuge seit Jahrzehnten hinreichend stark gebaut“, sagt Patrick Vrancken vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Auch eine Zunahme um einige Prozent der Turbulenzintensität würde hieran nichts ändern.“

Sogenannte Klarluft-Turbulenzen können von Pilotinnen und Piloten erst erkannt werden, wenn sich das Flugzeug schon mittendrin befindet. Anders als bei Turbulenzen, die beispielsweise an Bergketten oder in der Nähe von Unwetter auftreten können. Turbulenzen haben laut der Forschenden über dem Nordatlantik, über den USA und an der Nordostküste Brasiliens enorm zugenommen. Auch über Nordafrika, dem Mittelmeer und Europa sei eine Steigung zu erkennen, über Südostasien seien sie jedoch sogar etwas gesunken. Gerade über den Ozeanen finde sich häufig das Auftreten von Turbulenzen wieder, da der Jetstream dort am schnellsten wehe. Ebenfalls der Temperaturunterschied, der zwischen Wasser und Land herrscht, trägt zu einer Erhöhung bei.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.