Was sind die häufigsten Ursachen für Schwindel?

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Mal dreht sich alles wie auf einem Karussell, mal schwankt der Boden unter den Füßen: Schwindel kann verschiedene Ursachen haben

(Text: Astrid Viciano)

Mal dreht sich alles wie auf einem Karussell, mal schwankt der Boden unter den Füßen. Und gelegentlich fühlen sich die Patienten auch nur schummrig und benommen: Etwa 20 bis 30 Prozent aller Menschen erleben im Laufe ihres Lebens irgendeine Form von Schwindel. »Wir fragen dann zum Beispiel, ob der Schwindel ständig besteht oder sich in Schwindelattacken äußert. Auch fragen wir nach Begleitsymptomen und möglichen Auslösern«, berichtet Doreen Huppert, Leiterin der Schwindelambulanz des Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrums (DSGZ) am Klinikum Großhadern in München.

Besonders häufig tritt der gutartige Lagerungsschwindel auf, vor allem in höherem Lebensalter. Typischerweise kommt es dazu, wenn die Menschen die Lage ihres Kopfes ändern oder sich nachts im Bett umdrehen. Dann dreht sich plötzlich alles für sie. Beim Lagewechsel nämlich können sich kleine Steinchen im Gleichgewichtsorgan lösen und in einen der Bogengänge des Innenohrs gelangen. Dort reizen sie die Sinneszellen. Dem Gehirn wird eine Bewegung gemeldet, die nicht mit den Informationen des Sehnervs übereinstimmt – und Schwindel entsteht. Was genau zu der Steinchenbildung führt, ist bislang noch unbekannt. Allerdings kann es auch nach einem Schädeltrauma zu einem solchen Lagerungsschwindel kommen.

Funktionaler Schwindel kann durch Stress verstärkt werden

Ebenso kann Menschen aber auch dann schwindelig werden, wenn etwa beim Aufstehen aus der Hocke das Blut in den Beinen versackt. Dann wird das Gehirn vom Blutkreislauf kurzzeitig nicht ausreichend versorgt – und den Betroffenen wird schummrig.

Wenn die Ärzte keine körperliche Ursache für die Beschwerden finden, sprechen sie von funktionalem Schwindel. Psychische Belastungen und Stress können diese Form des Schwindels typischerweise verstärken. »Daher fragen wir diese Patienten nach Begleitsymptomen wie Herzrasen oder Schweißausbrüchen und nach Auslösern wie etwa großen Menschenansammlungen«, sagt Huppert. Bei diesen Patienten sei es zudem besonders wichtig, ihnen die Angst vor einer schweren Erkrankung als Ursache ihres Schwindels zu nehmen. Und sie zu ermutigen, sich den Schwindel auslösenden Situationen bewusst auszusetzen.

Der Artikel ist in der Ausgabe 10/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.