Der erste Regierungssitz der US-Präsidenten war das »President’s House« in der Stadt Philadelphia: Hier verrichtete der US-Gründungspräsident George Washington seine Amtsgeschäfte. Ab 1792 wurde dann das »Weiße Haus« in der neuen Hauptstadt Washington, D. C., errichtet. Sein erster Bewohner war ab dem 1. November 1800 John Adams, der zweite US-Präsident. 1814 wurde das Gebäude von britischen Truppen niedergebrannt. Nach dem Wiederaufbau erhielt es einen Anstrich in »Whisper White«. Erst Theodore Roosevelt machte den geläufigen Namen »Weißes Haus« 1901 zur offiziellen Bezeichnung des Gebäudes, auch wenn es eher cremefarben war und noch heute ist.
Bei einer Renovierung Anfang des 21. Jahrhunderts kam eine deutsche Firma aus Diedorf bei Augsburg ins Spiel: Deren Gründer Adolf Wilhelm Keim hatte Ende des 19. Jahrhunderts eine Farbe auf Silikatbasis erfunden. Anders als übliche Dispersionsfarben haftet dieses Produkt bis zu 40 Jahre, wird nicht so schnell schmutzig oder von Algen befallen und behält seinen Farbton. Das Weiße Haus wird traditionell alle vier Jahre, immer zum Amtsantritt des nächsten Präsidenten, neu gestrichen. Nach 30 Schichten platzte die Farbe schließlich ab.
Der in den USA für öffentliche Gebäude zuständige »National Park Service« hatte mit der Farbe aus Deutschland bereits an Leuchttürmen und am Militärfriedhof Arlington gute Erfahrungen gemacht. Als George W. Bush 2001 das Weiße Haus bezog, erhielt die schwäbische Firma den Auftrag, eine Silikatfarbe zu entwickeln. Auch sie ist nicht pur weiß, sondern enthält zwei Prozent Pigmente in Ocker und Blau. Sogar eine Spur Grün ist drin. 2003 sollten die Schwaben auch das US-Verteidigungsministerium streichen. Das verhinderte jedoch ein Kongressabgeordneter, weil sich Deutschland nicht am Irakkrieg beteiligte. Auch ein Kilometer der westlichen Mauer um den Kreml ist mit »Keim«-Farbe gestrichen. Dann mussten die Maler die Pinsel weglegen, vermutlich ebenfalls aus politischen Gründen.