Parlamentsgebäude: Wo auf der Welt steht das größte?

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Parlamentsgebäude Thailand
Foto: AUUSanAKUL+ // Adobe Stock
Das größte Parlamentsgebäude der Welt verfügt über 424.000 Quadratmetern Geschossfläche - doch in welchem Land steht es?

Viele Jahre war das Parlamentsgebäude in Bukarest das größte Volksvertretungsgebäude der Welt. Der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu hatte den Bau einst in Auftrag gegeben. Seit 2021 hält das neue thailändische Parlament in Bangkok den Titel des größten Parlamentsgebäudes der Welt. Mit seinen 424.000 Quadratmetern Geschossfläche übertrifft es jene des rumänischen Parlamentspalasts (365.000 Quadratmeter) noch einmal um rund ein Sechstel.

„Sappaya-Sapasathan“ heißt das Gebäude, was so viel bedeutet wie „Versammlungsort für gute Taten“. Mittelpunkt ist die goldene Pagode mit der Sonnenhalle des Repräsentantenhauses (800 Sitze) und der Mondhalle, in der der Senat tagt (300 Sitze). In dem Komplex wurde das Holz von mehr als 5000 Teakbäumen verbaut, um die „DNA Thailands“ zu repräsentieren, was zu Protesten in Medien und Bevölkerung führte.

Thailand: eine konstitutionelle Monarchie

Die letzten Parlamentswahlen fanden am 14.05.2023 mit einer Rekordbeteiligung von über 75% statt. Srettha Thavisin von der Partei Pheu Thai wurde am 22. August durch das Repräsentantenhaus und den Senat zum Premierminister gewählt. Die neue thailändische Regierung hat am 05. September die Amtsgeschäfte übernommen, steht auf der Seite Auswärtigen Amts. (Stand März 2024) Laut der Verfassung vom 6.4.2017 gilt Thailand als Königreich mit einer demokratischen Regierungsform, der König ist das Staatsoberhaupt.

Das Parlamentsgebäude in Thailand kostete rund 640 Millionen Euro

In dem Bau finden mehr als 5000 Menschen und 2000 Autos Platz. Neben den Parlamentseinrichtungen beherbergt es unter anderem ein Museum für die politische Geschichte des Landes und ein Tagungszentrum. Ursprünglich sollte die Errichtung zwei Jahre dauern und umgerechnet rund 370 Millionen Euro kosten. Doch die Arbeiten verzögerten sich, das Projekt wurde immer teurer. Erst nach acht Jahren war es fertig, die Kosten summierten sich auf 23 Milliarden Baht (umgerechnet rund 640 Millionen Euro).

Kritische Stimmen bemängeln die Architektur des Kolosses mit seiner Pagode, die eher die Macht der Religion repräsentiere statt den Willen des Volkes. Und tatsächlich ist es mit der Demokratie in Thailand, in der der König und die mächtigen Generäle das Sagen haben, nicht so weit her, wie der neue Prachtbau fürs Parlament vermuten lässt.

Bei dem neuen Gebäude handelt es sich übrigens um den dritten Komplex seit der Einführung der konstitutionellen Monarchie 1932. Die Thronhalle „Ananta Samakhom“ hat von 1933 bis 1974 Heimat des ersten Parlaments des Königreichs, danach war es das Parliament House neben dem Dusit Zoo bon 1974 bis 2018.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.