Nutzen wir unser Smartphone wie ein Beruhigungsmittel?

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Foto (C): Laif / Imago
Eine Studie der University of Pennsylvania zeigt: Viele Erwachsene tragen ihr Smartphone permanent bei sich und nehmen es unter Stress besonders häufig zur Hand.

Eine der berühmtesten Comicstrip-Serien aller Zeiten sind die »Peanuts«. Zu den Hauptfiguren gehört ein Junge namens Linus. Er ist ein lieber, aber schlafmütziger Kerl, der stets eine Schmusedecke bei sich trägt. Vermutlich hätte Linus lieber einen Schnuller – aber dafür ist er schon zu groß. Jetzt zeigt eine Studie der University of Pennsylvania in den USA, dass wir vielleicht alle so eine Schmusedecke mit uns herumschleppen: nämlich unser Smartphone. In mehreren Experimenten fanden die Wissenschaftler heraus, dass viele Erwachsene ihr Endgerät permanent bei sich tragen und es unter Stress besonders häufig in die Hand nehmen. Mehr noch: Dieser Griff scheint auf die meisten tatsächlich stressmindernd, tröstend und beruhigend zu wirken.

Die tröstende Wirkung unseres Smartphones

Nun könnte man einwenden, dass diese Wirkung vielleicht gar nichts mit dem Handy zu tun hat. Womöglich benutzen wir das Gerät ja nur, um mit anderen zu reden oder uns Informationen zu besorgen. Die Forscher überprüften diesen Einwand: Was passiert, wenn Menschen dieselben Aktionen mit dem Laptop ausführen? Wie wirkt es sich aus, wenn man dieselben Aktionen mit einem geliehenen Smartphone unternimmt? Das Ergebnis: Die tröstende Wirkung bleibt entweder aus oder fällt zumindest schwächer aus als mit dem eigenen Smartphone. Die Wissenschaftler schließen daraus: Wir scheinen unser Smartphone tatsächlich als tragbares Beruhigungsmittel zu verwenden. Es wirkt wie die Kuscheldecke für Linus – oder ein Schnuller für ein trauriges Baby.

(Autor: Jochen Metzger)

Der Artikel ist in der Ausgabe 04/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.