Verheerende Korallenbleiche: Hoffnungsschimmer aus Deutschland

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Korallenbleiche
Foto: venusvi // Adobe Stock

In einer kürzlich veröffentlichten Studie im Fachmagazin Ecological Monographs haben Wissenschaftler eines der schwerwiegendsten Korallenbleiche-Ereignisse am Great Barrier Reef  in Australien dokumentiert. Zwischen März und Juni 2024 sind 97 % der Korallen an einem Riff auf Lizard Island abgestorben. Dieses Ereignis markiert die fünfte Korallenbleiche in nur acht Jahren und unterstreicht die dringende Notwendigkeit wirksamer Lösungsansätze zur Rettung der Korallenriffe weltweit.

„Mindestens 97 Prozent der Korallen waren in diesen drei Monaten abgestorben“, berichtete Prof. Jane Williamson von der Macquarie University, die das Riff analysierte. Die Forscher verglichen Drohnenaufnahmen vom März und Anfang Juni 2024 und waren schockiert über die drastischen Veränderungen. „Wir kamen aus dem Wasser und wussten nicht, was wir sagen sollten. Es ist ein ikonisches Riff, und das meiste davon war tot,“ fügte Williamson hinzu, als sie die erschreckenden Ergebnisse ihrer Forschung präsentierte.

Innovativer Ansatz aus Deutschland: Geschlechtliche Vermehrung von Steinkorallen

Doch es gibt auch Hoffnung: In Wilhelmshaven arbeiten die Biologen Samuel Nietzer und Mareen Möller seit vier Jahren an der Aufzucht von Korallen und haben einen innovativen Ansatz entwickelt, um das Überleben dieser empfindlichen Meeresbewohner zu sichern. Mit ihrer Methode der „geschlechtlichen Vermehrung“ ist es ihnen gelungen, die Forschungsarbeit in der Aquarienanlage des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg auf ein neues Level zu heben.

Die Forscher*innen sammeln dabei Eier und Spermien von Korallen, um verschiedene Kolonien zu kreuzen und eine nachhaltige Korallenzucht aufzubauen. Die geschlechtliche Vermehrung ist ein aufwendiger Prozess, da Korallen ganz spezifische Bedingungen benötigen: Wassertemperatur, Lichtverhältnisse und der Mondzyklus spielen eine entscheidende Rolle in ihrem Lebenszyklus.

Projekt hat Potenzial für weltweite Nachahmung

Nietzer und Möller wollen mit ihrer Methode nicht nur den Aquaristikmarkt entlasten, der bisher stark auf Wildentnahmen angewiesen ist. Ihre Arbeit könnte auch weitreichende Auswirkungen auf die Wiederherstellung geschädigter Riffe haben. Indem gezüchtete Korallen künftig eingesetzt werden, könnten natürliche Riffe geschont und wiederaufgebaut werden. Dies wäre ein wichtiger Schritt, um das Ökosystem der Meere zu stabilisieren und den Lebensraum zahlreicher Meeresbewohner zu sichern.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.