Delfine: Intelligente Akrobaten mit Selbstfürsorge

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Delfine
Foto: Andrea Izzotti // Adobe Stock
Delfine sind nicht nur schlau, sozial und tragen zu einem ausgewogenen Ökosystem bei. Sie achten auch auf ihre Gesundheit und nutzen dazu Korallen.

Delfine gelten als eine der intelligentesten Tierarten auf unserem Planeten und faszinieren Menschen seit Jahrhunderten. Diese Säugetiere haben sich perfekt an das Leben im Wasser angepasst und sind bekannt für ihre verspielte Natur und beeindruckende Lernfähigkeit. Sie sind sehr intelligent, zeigen fortgeschrittene Verhaltensweisen wie das Verwenden von Werkzeugen, das Lösen von Problemen und die Entwicklung komplexer sozialer Strukturen. Sie kommunizieren miteinander durch eine Vielzahl von Pfeif- und Klicklauten, besitzen als ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem. Noch dazu spielen sie eine wichtige Rolle in den maritimen Ökosystemen.

Als Spitzenprädatoren regulieren sie durch ihre Jagdgewohnheiten aktiv die Populationen verschiedener Beutetiere wie Fische und Tintenfische. Diese Regulierung trägt zum Artenschutz und zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts bei, da sie die Dominanz einzelner Arten verhindert, was ansonsten zu unausgewogenen Verhältnissen im Ökosystem führen könnte. Die Bedeutung der Delfine reicht jedoch über ihre Rolle als Jäger hinaus. Sie sind auch ein wesentlicher Teil des Nahrungsnetzes als Beute für größere Meeresräuber wie Haie. In dieser Hinsicht tragen sie zum Energiefluss durch das Ökosystem bei und unterstreichen die Verwobenheit des Lebens unter Wasser.

Delfine sind nicht nur schlaue und soziale Säugetiere, sie regulieren auch das Ökosystem

Gesunde und blühende Delfinpopulationen sind zudem ein Zeichen für ein intaktes Meeressystem. Als bioakustisches Fenster zum Zustand des Meeres liefern sie durch ihr Vorkommen und Verhalten Hinweise auf einen reichen Bestand an beutereichen Lebensräumen. Ihr Fehlen oder eine Verringerung ihrer Zahl könnte auf Probleme im Marinesystem hinweisen, auf die Wissenschaftler und Naturschützer besonders achten müssen. Ferner spielen Delfine eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf der Ozeane. Die von ihnen ausgeschiedenen Nährstoffe bereichern das Wasser und fördern so das Wachstum von Plankton. Dieses bildet die Basis der marinen Nahrungskette und ist essenziell für die globale Sauerstoffproduktion und die Sequestrierung von Kohlenstoff, wodurch ein wesentlicher Beitrag zur Minderung der globalen Erwärmung geleistet wird.

Während sie das Ökosystem des Ozeans regulieren, achten sie auch enorm auf ihre Körperpflege. Eine Forschungsgruppe unter der Leitung der Universität Gießen hat im Roten Meer vor Hurghada beispielsweise wiederholt Szenen beobachtet, die einer Unterwasser-Choreografie gleichen: Zunächst umkreisen mehrere Delfine einen Korallenstock. Dann gleitet einer nach dem anderen mit dem Kopf voran hindurch, schrubbt seine Haut an den Korallenästen, dreht sich manchmal noch um die eigene Achse, damit auch die Flanken etwas abkriegen, schwimmt anschließend einen Bogen und stellt sich wieder hinten bei der Gruppe an, um erneut an die Reihe zu kommen. Das geht einige Male so, bis die Delfine weiterziehen. Dabei steuern sie nur ganz bestimmte Arten an: eine Hornkoralle, eine Lederkoralle und einen Schwamm aus der Gattung Ircinia. Andere lassen sie links liegen.

EIN AUSFLUG IN DIE UNTERWASSER-APOTHEKE

Manchmal bleibt es auch nicht beim Scheuern. In einem Fall, dokumentiert durch Videoaufnahmen, nahm ein Delfin eine Lederkoralle ins Maul, schwamm damit herum und schüttelte sie immer wieder kräftig, bis eine gelbliche Substanz austrat und seinen Leib einnebelte. Um herauszufinden, warum die Meeressäuger sich so verhalten, entnahm das Forschungsteam mehrere Proben der Korallen und Schwämme. Die Analyse ergab, dass durch das Reiben bioaktive Substanzen aus den Stöcken gelöst werden. Insgesamt entdeckte das Team 17 verschiedene chemische Verbindungen. Sie enthalten sowohl antibakterielle als auch antioxidative Wirkstoffe, die dem Mikrobiom der Delfinhaut zugutekommen. Unter anderem stecken die Substanzen in einem Schleim, den die Hornkoralle bei intensivem Kontakt ausstößt und der dann am Körper der Delfine haftet. Nun nehmen die Forschenden an, dass es sich bei dem Verhalten der Tiere um Selbstmedikation handeln könnte. Noch muss es bei Vermutungen bleiben. Aber es ist gut möglich, dass die Delfine eine Art Riffapotheke aufsuchen und mithilfe der Korallen Hautprobleme kurieren. Oder sich vorbeugend davor schützen wollen.

Steckbrief: Gemeiner Delfin

  • Wissenschaftlicher Name: Delphinus delphis
  • Lebensraum: Sie sind in gemäßigten und tropischen Meeren weltweit zu finden
  • Lebenserwartung: Bis zu 35 Jahre in der Wildnis
  • Größe: 1,7 bis 2,6 Meter lang
  • Gewicht: 70 bis 110 Kilogramm
  • Nahrung: Fische, Tintenfische und andere Meeresbewohner
  • Besondere Merkmale: Der gemeine Delfin hat ein charakteristisches Muster mit dunklem Rücken, weißen oder gelblichen Seiten und einem hellen Bauch
Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.