Wie können Satelliten bei Waldbränden helfen?

von
Mountain, Nature, Outdoors
Foto (C): Imago
Weltweit vernichten Wald- und Buschfeuer jährlich etwa 30 bis 40 Millionen Hektar Vegetation. Die Vision von Thomas Grübler: Satelliten im All könnten in Zukunft in Echtzeit auf Brandherde hinweisen

Indem sie Feuerwehren vom Weltall aus in Echtzeit auf Brandherde hinweisen – so die Vision des Elektro- und Informationstechnikers Thomas Grübler. Weltweit vernichten Wald- und Buschfeuer jährlich etwa 30 bis 40 Millionen Hektar Vegetation. Grüblers Start-up-Unternehmen Ororatech hat bereits eine Software entwickelt, die Feuerwehren auf der ganzen Welt auf solche Brände hinweisen kann. Dazu greift sie auf Bild- und Wetterdaten von aktuell zwölf Satelliten zu. Je nach Anzahl, Umlaufbahn und Konstellation der Satelliten entsteht dabei bislang aber eine Meldeverzögerung von bis zu sieben Stunden. Kostbare Zeit, um Großbrände rechtzeitig bekämpfen zu können. Um in Echtzeit zu warnen, bräuchte es ein dichteres Überwachungsnetz am Himmel.

Daher entwickelt Grüblers Unternehmen derzeit kleine Nanosatelliten, die zu geringen Kosten ins All transportiert werden können. Der erste Prototyp, »Eve-1«, wiegt nur sieben Kilogramm und passt in einen gewöhnlichen Rucksack. Herzstück im Inneren: eine Wärmebildkamera und eine Grafikkarte zur Datenverarbeitung. Bei Drohnentests erkannte das System mit dieser Ausrüstung aus 400 Meter Höhe eine auf 350 Grad Celsius erhitzte Fläche – sie war kleiner als ein Bierdeckel.

Der Satellit muss Temperaturschwankungen von über 140 Grad Celsius aushalten

Im nächsten Schritt wollen die Ingenieure die Technik nun für das Vakuum im Weltraum fit machen. Zusätzlich muss der Satellit Temperaturschwankungen von über 140 Grad Celsius aushalten. Läuft alles nach Plan, sollen bis 2023 insgesamt 14 der Minisatelliten im All ihre Bahnen ziehen. Das könnte die zeitliche Lücke zwischen den Überflügen verringern – und die Erkennungswahrscheinlichkeit von Waldbränden verdoppeln.

Für eine Live-Überwachung rund um den Globus braucht es aber mindestens 100 der Minisatelliten. Bis 2026 könnten sie nach Plänen des Unternehmens im Weltall kreisen. Dann wäre es möglich, Großbrandgefahren in Wäldern weltweit früher zu erkennen und schneller zu löschen.

Der Artikel ist in der Ausgabe 07/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.