Warum bleiben blaue Speisen oft liegen?

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Birthday Cake, Dessert, Food
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Es gibt gelbe Bananen, grünen Salat und rote Tomaten. Aber blaue Lebensmittel? Die gibt es nicht so häufig - und oft sind diese sogar chemisch hergestellt, zum Beispiel blaues Speiseeis oder türkise Gummischlümpfe.

Stellar Blue« war von Inhalt, Geschmack und Konsistenz her ein ganz normaler Ketchup. Dennoch wurde er nach seiner Einführung 2003 zum Ladenhüter, und der US-Konzern Heinz stellte die Produktion bald wieder ein. Der Grund: Stellar Blue war, wie der Name schon sagt, blau. Und Ketchup dieser Farbe schien kein Mensch zu mögen; grüner, violetter, orange- und sogar pinkfarbener Ketchup, den der Hersteller zuvor auf den Markt gebracht hatte, kam deutlich besser an. Studien zeigen inzwischen, dass Blau beim Essen den Appetit hemmt.

In der Natur signalisiert die Farbe Blau oft Gefahr

Sitzen Menschen in einem blau beleuchteten Raum, essen sie weniger, und blau gefärbte Speisen bleiben meist liegen. Manche Ernährungsexperten raten Abnehmwilligen sogar, blaues Geschirr und blaue Servietten zu verwenden oder den Kühlschrank blau zu beleuchten. Den Grund dafür sehen Wissenschaftler in der Evolution: Weil es in der Natur kaum Essbares mit blauer Farbe gibt – außer etwa Blaubeeren, die jedoch eher lila sind – und weil Blau in der Natur vielmehr Giftigkeit oder Schimmel anzeigt, hat der Mensch eine natürliche Abneigung dagegen entwickelt. Selbst wenn er weiß, dass etwa ein Kuchen nur eingefärbt ist, wirkt dieser Instinkt als Hemmschuh. Hinzu kommt laut Psychologen der »Mere-Exposure-Effekt« (»Effekt der reinen Darbietung«): Eine Vorliebe für ein Produkt entsteht schon dadurch, dass man es wiederholt zu Gesicht bekommt.

Darum basiert Werbung auf der ständigen Wiederholung eines Produkts; mit zunehmender Bekanntheit wird es immer positiver bewertet. So entwickeln wir auch Vorlieben für Speisen, die wir in der Kindheit häufig und gern gegessen haben. Und weil blaue Speisen dabei höchst selten vorkommen, entsteht für sie auch keine Vorliebe. Bei Kindern selbst scheinen Instinkt und Neigungen noch nicht so ausgeprägt zu sein. Daher sind sie durchaus offen für blaue Schokodragees, Eis oder Gummischlümpfe.

(Text: Jan Berndorff)

Dieser Artikel ist in P.M. Fragen & Antworten 07/2020 erschienen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.