Warum brechen Spaghetti nie entzwei, sondern immer in mehrere Teile?

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Foto (C): Pixabay / Aline Ponce
Foto (C): Pixabay / Aline Ponce
Das Problem mit den kleinteiligen Spaghetti kennen schon Kinder. Physiker haben sich diesem Phänomen aus Küche in ernsthaften Versuchen angenommen.

Wenn man einen trockenen Spaghetto an seinen beiden Enden packt und ihn biegt, bis er bricht, so zerspringt er niemals in zwei, sondern immer in mehrere Teile. Warum das so ist, war lange Zeit ein Rätsel. Selbst der Physiknobelpreisträger Richard Feynman soll einen halben Tag vergeblich versucht haben, die lange Nudel entzweizubrechen. Und auch er kam nicht darauf, warum es nicht gelingt. Erst 2005 fanden französische Physiker nach eingehenden Studien die Erklärung: Demnach bricht die Nudel zunächst zwar ungefähr in der Mitte. Doch dann schnellt sie zurück, wellenförmig breiten sich Kräfte entlang des Pastastabs aus, werden an den Enden reflektiert und laufen wieder zurück. Dadurch kommt es vor allem dort, wo der Spaghetto durch kleine Unregelmäßigkeiten im Teig etwas dünner ist, zu weiteren Brüchen. Das alles geschieht schneller, als wir schauen können.

Ausgezeichnet: Die Forscher erhielten den Ig-Nobelpreis für kuriose Forschung

Für diese Erkenntnis erhielten die Franzosen den Ig-Nobelpreis für kuriose Forschung. Bleibt natürlich die Frage, ob man Spaghetti nicht doch in nur zwei Teile brechen kann. Dazu legten nun US-Forscher eine Lösung vor: Wenn man die Nudel zunächst an ihren Enden gehalten um knapp 360 Grad verdreht und dann biegt, so dreht sich die Nudel nach dem ersten Bruch zunächst zurück, bevor die Bruchwelle im Stab hin- und herschwingt. Die Drehwelle überlagert gewissermaßen die Bruchwelle und nimmt ihr viel Energie. Dadurch bleiben weitere Brüche aus. Beim Kochen bringen einen diese Erkenntnisse zwar nicht wirklich weiter. Aber für ein lustiges Experiment mit den Kindern sind sie allemal gut.

(Text: Jan Berndorff)

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.