Was steckte in einer Friedenspfeife?

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Foto (C): Archive Photos/Getty Images
Die indigenen Völker Nordamerikas schmauchten eine ausgeklügelte Mischung aus Tabak und Kräutern – und das schon vor über 1000 Jahren

(Autor: Rainer Kurlemann)

Archäologen der Washington State University haben Ascherückstände in historischen Pfeifen untersucht. Demnach rauchten die indigenen Völker der heutigen USA eine Mischung aus Tabak, Kräutern und anderen Blättern. Die Forscher haben eine neue Analysemethode entwickelt, mit deren Hilfe sich ausmachen lässt, von welchen Pflanzen die Asche stammt. Ältere Verfahren wiesen lediglich Inhaltsstoffe wie Nikotin nach, lieferten aber keine weiteren Details.

Das Team um Korey Brownstein untersuchte eine Pfeife aus der Zeit um 500 n. Chr., die im Bundesstaat Washington im Westen der USA gefunden worden war. Das Ergebnis: Die Raucher hatten verschiedene Tabaksorten aus der Region benutzt, aber auch Bestandteile der Bärentraube, der Eibe, des Hartriegels und des Glatten Sumachs.

Ihren Namen verdankt die Pfeife wohl der beruhigenden Wirkung des Nikotins

Die gezielte Mischung der Pflanzen könnte Wirkung und Geschmack des Rauchs verbessert haben. Nachweislich testeten die indigenen Völker bereits mehrere Dutzend Zusätze. Die Analyse zeigte auch, dass die Gemeinschaften sogar mit Pflanzenteilen als Rauchwaren gehandelt haben. In der Asche einer Pfeife aus dem 18. Jahrhundert fanden Forscher die Tabaksorte Nicotiana rustica (Bauerntabak), die nicht in der Region wächst.

Der Begriff »Friedenspfeife« stammt vermutlich von der beruhigenden Wirkung, die das Nikotin im Tabak auf die Raucher ausübt. Die Europäer haben den Tabakgenuss von der indigenen Bevölkerung Amerikas übernommen. Die in heutigen Zigaretten übliche Tabaksorte Nicotiana tabacum wurde allerdings erst von europäischen Händlern nach Nordamerika eingeführt, die sie aus dem Süden des Kontinents mitbrachten. 

Der Artikel ist in der Ausgabe 02/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.