Wie hält man ein Team auf Dauer bei Laune?

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Foto (C): NASA
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Perfektionist, Träumer, Clown: Wer ist wichtig für den Erfolg einer Weltraummission?

Für die bemannte Reise zum Mars, wie sie etwa die US-Raumfahrtbehörde NASA für 2033 plant, wird eine Frage besonders untersucht: Wie müsste die Crew beschaffen sein, die auch menschlich auf einer langen und zudem gefährlichen Reise funktioniert? Der US-Anthropologe Jeffrey Johnson von der University of Florida forscht seit zehn Jahren zu diesem Thema. Er hat dazu kürzlich in einem Interview eine wichtige Erkenntnis dargelegt: Neben den offiziellen Ämtern wie Kapitän, Mechaniker, Wissenschaftler und Arzt gebe es auch inoffizielle wie die des Clowns. Und Letzterer sei für den Erfolg einer Mission besonders wichtig – denn er sorgt für gute Stimmung im Team. Schon Roald Amundsen, der erste Mensch am Südpol, schrieb, seine Expedition im Jahr 1911 wäre ohne den Koch Adolf Lindstrøm wohl niemals angekommen. Er war robust, unvoreingenommen – vor allem aber sehr humorvoll. Lindstrøm sei es immer gelungen, die Truppe zu motivieren. Der Typ »lustiger Geschichtenerzähler«, so auch Jeffrey Johnson, vermittle zwischen den Untergruppen etwa den Forschern auf der einen und den Technikern auf der anderen Seite.

Witze erzählen, Gitarre spielen: Wer auf den Mars will, übt besser schon mal…

Die Erkenntnis gilt auch für kleine, nur vier bis sechsköpfige Teams, wie sie für den Mars vorgesehen sind. »Aber es muss nicht immer gleich ein Clown her«, sagt Gernot Grömer, Spezialist für die Simulation von Weltraummissionen an der Uni Innsbruck. Bei der Auswahl von Teams achte man aber in der Tat darauf, dass die Kandidaten ein oder zwei unterhaltsame Extras mitbringen: ein Instrument spielen, zaubern oder Witze erzählen können zum Beispiel. »Die Gruppe braucht ein Ventil, eine Gelegenheit, auf andere Gedanken zu kommen und Stress abzubauen“, sagt er. Wahrscheinlich werde man für eine echte Marsmission aber nicht einzelne Astronauten, sondern gleich ein komplettes Team selektieren, das sich bereits bei anderen Gelegenheiten bewährt hat.

(Text: Jan Berndorff)

 

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.