Kühe und Kälber auf der Wiese, die mächtigen Körper liegen entspannt auf der Seite, bewegungslos, Kopf und Beine ausgestreckt: So sehen die Tiere im Tiefschlaf aus. Aber: Nach kurzer Zeit muss damit Schluss sein. Ansonsten stimmt da etwas nicht – die Kuh ist krank, liegt vielleicht fest und muss dringend wieder auf die Beine.
Liegen ist für Kühe und ihre Halter ein großes Thema. Bis zu 14 Stunden täglich wird gelegen: zum Schlafen, aber vor allem auch zum Widerkäuen. Als Widerkäuer können Kühe extrem faserreiche Nahrung verdauen. Das nimmt allerdings viel Zeit in Anspruch – Zeit, die zwar bestenfalls in bequemer Ausruhhaltung verbracht wird. Die Seitenlage ist dabei jedoch tabu. Das liegt am faszinierenden Verdauungsapparat mit den vier Spezialmägen. Magen Nummer eins: der Pansen, eine beeindruckende Gärkammer mit bis zu 150 Litern Fassungs- vermögen, voll mit Pansensaft, vorgekautem Futter und Gas.
Hier wird sortiert und gesiebt: Welche Nahrungsbestandteile müssen zum nochmaligen Durchkauen schlundaufwärts, welche können zur weiteren Verdauung in die nächste Abteilung? Diese komplizierten Prozesse funktionieren in der Seitenlage schlecht oder gar nicht, weil hier nicht zuletzt die Schwerkraft mithilft. In der Seitenlage besteht die Gefahr, dass sich Gase an den falschen Stellen sammeln oder der mächtige Pansen andere Organe abdrückt. Das kann tödlich enden.
Die beste Liegeposition ist für Kühe deshalb die aufrechte Bauch-Brust-Lage mit untergezogenen Beinen und erhobenem Kopf. Im Stall benötigen sie geeignete Liegeplätze, wo sich die massigen Tiere einigermaßen mühelos hinlegen und auch gut wieder hochkommen können. Die Seitenlage ist nur erlaubt, wenn die Kuh eine kleine Verdauungspause hat und nicht aktiv mit dem Widerkäuen beschäftigt ist. Eine gesunde Kuh verhält sich instinktiv entsprechend.