Der Marianengraben: Das tiefste Geheimnis der Erde

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Marianengraben
Foto: blueringmedia // Adobe Stock
Der Marianengraben ist der tiefste bisher bekannte Punkt der Erde. Er birgt Geheimnisse und ist ebenfalls von Umweltschäden wie Mikroplastik betroffen.
Der Marianengraben ist eines der faszinierendsten Naturwunder unseres Planeten. Mit einer maximalen Tiefe von etwa 11.034 Metern ist er der tiefste bekannte Punkt der Erde. Er liegt im westlichen Pazifischen Ozean, östlich der Marianen-Inseln, und erstreckt sich über eine Länge von etwa 2.550 Kilometern. Diese beeindruckende Schlucht ist nicht nur ein geologisches Phänomen, sondern auch ein Ort voller Rätsel und wissenschaftlicher Neugier.

Der Marianengraben als Ergebnis einer Subduktion

Der Marianengraben ist das Ergebnis der Subduktion, einem geologischen Prozess, bei dem eine tektonische Platte unter eine andere geschoben wird. An dieser Stelle kollidiert die Pazifische Platte mit der Philippinischen Platte und wird in den Erdmantel hinabgezogen. Diese gewaltigen tektonischen Kräfte haben im Laufe von Millionen Jahren den tiefen Meergraben geformt. Der tiefste Punkt des Grabens, bekannt als „Challenger-Tief“, wurde nach dem britischen Forschungsschiff HMS Challenger benannt, das im 19. Jahrhundert die ersten wissenschaftlichen Messungen in diesem Gebiet durchführte.

Erforschungen des Marianengraben

  1. HMS Challenger: Im Jahr 1875 führte die HMS Challenger die ersten systematischen wissenschaftlichen Messungen im Mariannengraben durch. Diese frühen Erkundungen legten den Grundstein für die moderne Ozeanographie.
  1. Trieste: Am 23. Januar 1960 tauchten Jacques Piccard und Don Walsh mit dem bemannten Bathyscaphen „Trieste“ als Erste in das Challenger-Tief hinab. Sie erreichten eine Tiefe von 10.916 Metern und führten damit den tiefsten bemannten Tauchgang der Geschichte durch.
  1. James Cameron: Im Jahr 2012 wiederholte der Filmemacher und Abenteurer James Cameron diese Leistung und tauchte mit dem Ein-Mann-U-Boot „Deepsea Challenger“ in den Marianengraben ab. Er sammelte dabei wertvolle wissenschaftliche Daten und Erkundungsfilmmaterial.
  1. DSV Limiting Factor: 2019 erreichte der Geschäftsmann und Forscher Victor Vescovo mit seinem U-Boot „DSV Limiting Factor“ eine Rekordtiefe von 10.927 Metern. Diese Mission war Teil einer Reihe von Tauchgängen, die auch andere extrem tiefe Stellen der Weltmeere erkundeten.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

  • Extreme Druckverhältnisse: In der größten Tiefe des Grabens herrscht ein Druck von über 1.000 Bar (16.000 Pfund pro Quadratzoll), was etwa dem Gewicht von 1.600 Elefanten pro Quadratzoll entspricht. Diese extremen Bedingungen machen die Erforschung besonders schwierig.
  • Lebensformen: Trotz der mörderischen Bedingungen gibt es Leben im Mariannengraben. Wissenschaftler haben verschiedene Mikroorganismen, Garnelen, Quallen und seltsame Fischarten entdeckt. Diese Lebewesen haben sich an die extremen Bedingungen angepasst, oft mit bemerkenswerten biologischen Fähigkeiten wie der Fähigkeit, bei hohen Druckverhältnissen zu überleben.
  • Hydrothermalquellen: Entlang des Grabens haben Forscher auch hydrothermale Quellen entdeckt, die heißes, mineralreiches Wasser aus dem Meeresboden ausstoßen. Diese Quellen sind Oasen des Lebens, die eine Vielzahl von ungewöhnlichen Organismen unterstützen.
  • Geochemische Prozesse: Der Mariannengraben ist ein bedeutender Ort für das Studium geochemischer Prozesse wie die Wasser-Rock-Interaktion und die Freisetzung von Methan und anderen Gasen aus dem Meeresboden.

Auch hier findet sich Mikroplastik und Schadstoffe der Menschen

Die tiefen Ozeangräben wie der Marianengraben sind ein empfindliches Ökosystem, das auch von menschlichen Aktivitäten bedroht werden kann. Mikroplastik und andere Schadstoffe wurden in den tiefsten Bereichen des Grabens nachgewiesen, was zeigt, dass Umweltverschmutzung auch die entlegensten Orte der Erde erreicht hat. Der Schutz dieser einzigartigen Lebensräume erfordert internationale Zusammenarbeit und strikte Umweltvorschriften.
Neue Technologien und wissenschaftliche Methoden könnten in Zukunft weitere Entdeckungen im Mariannengraben ermöglichen. Unbemannte Unterwasserfahrzeuge (ROVs) und fortschrittliche Sensoren bieten erweiterte Möglichkeiten zur Untersuchung dieser extremen Tiefen. Internationale wissenschaftliche Kooperationen könnten helfen, die Geheimnisse des Mariannengrabens weiter zu entschlüsseln und ein besseres Verständnis der tiefsten Bereiche unserer Ozeane zu erlangen. Nur so kann der Ort auch geschützt werden.
Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.