Haben alle Rennpferde am gleichen Tag Geburtstag?

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Rennpferde
Foto: Stavros // Adobe Stock
In offiziellen Dokumenten von Rennpferden ist immer der 1. Januar als Geburtstag eingetragen - zumindest auf der Nordhalbkugel. Was steckt dahinter?

Wer sich ein Rennpferd zulegt, wird – zumindest auf der nördlichen Hemisphäre – auf den Dokumenten für das Tier immer denselben Geburtstag finden: den 1. Januar. Der Tag wurde einst unabhängig von der eigentlichen Geburt festgelegt, um Rennbedingungen zu vereinfachen, bei denen oft wichtig ist, dass identische Altersgruppen gegeneinander antreten.

Demnach wird ein Pferd zu Beginn eines neuen Jahres sofort als ein Jahr älter eingestuft – selbst wenn es beispielsweise im Dezember geboren wurde und eigentlich erst einen Monat auf der Welt ist. Ab einem Alter von zwei Jahren ist es berechtigt, an Wettbewerben teilzunehmen.

Auf der Südhalbkugel ist der 1. August der einheitliche Geburtstag der Rennpferde

Auf der südlichen Hemisphäre findet man dagegen vor allem den 1. August als Geburtstag. Das abweichende Datum hat mit dem Brunstzyklus von Stuten zu tun, der vom Wechsel der Jahreszeiten beeinflusst wird. Im Süden ist die Paarungszeit für Pferde im September, und nach der etwa elfmonatigen Schwangerschaft ist im Hochsommer am ehesten mit Fohlen zu rechnen. Auf der Nordhalbkugel findet die Paarung eher im Frühjahr statt. Die Saison für Pferderennen ist dementsprechend auf der Südhalbkugel zeitlich versetzt. Als der Galopprennsport mit sogenannten Vollblütern (»Thoroughbred Racing«) im 18. Jahrhundert in Großbritannien populär wurde, war noch der 1. Mai das übliche Geburtsdatum. Erst 1858 wurde die neue Regel einheitlich umgesetzt, nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg auch in den USA.

Ob Pferde mit zwei Jahren oder jünger bereits tauglich sind, an Rennen teilzunehmen, ist umstritten. Manche Menschen glauben, frühe Rennbeteiligung sorge für stärkere Knochenentwicklung. Röntgenaufnahmen der Knie des Tieres liefern eindeutige Ergebnisse, ab wann sie voll entwickelt sind.

(Artikel: Tino Falke)

Der Artikel ist in der Ausgabe 11/2022 von P.M. Schneller Schlau erschienen.