Hirse dient als Superfood – schon seit der Antike

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Hirse
Foto: katrinshine // Adobe Stock
Hirse ist ein echtes Superfood - und zwar schon seit der Antike - dies fand nun ein Forschungsteam heraus.

Hirse umfasst eine Gruppe verschiedener kleinkörniger Getreidearten und gehört zur Familie der Süßgräser. Die bekanntesten Arten sind Perlhirse, Fingerhirse, Kolbenhirse, Rispenhirse und Teff, die je nach Region unterschiedlich verbreitet und genutzt werden. Hirse wird seit Jahrtausenden angebaut und war bereits in der Antike in Afrika, Asien und Europa ein wichtiges Lebensmittel.

Einer der größten Vorteile von Hirse ist ihre Fähigkeit, unter schwierigen Umweltbedingungen zu gedeihen. Hirse kann auf kargen Böden wachsen, benötigt wenig Wasser und hält extremen Wetterbedingungen stand. Diese Eigenschaften machen Hirse zu einer idealen Pflanze für die Trockengebiete der Welt und zu einer sicheren Nahrungsquelle für Bevölkerungsgruppen, die von Klimaveränderungen betroffen sind.

Hirse ist reich an essentiellen Nährstoffen. Nicht nur, dass sie eine gut verdauliche Proteinquelle darstellt, sie enthält auch wichtige Vitamine und Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium, Phosphor, Zink sowie Vitamine der B-Gruppe. Des Weiteren ist Hirse von Natur aus glutenfrei und somit eine ausgezeichnete Alternative für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit. Außerdem hat Hirse einen niedrigen glykämischen Index, der einen geringen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat und damit für Diabetiker vorteilhaft ist.

Glutenfrei, voller Proteine und Vitamine: Die Hirse ist ein echtes Superfood

Angesichts einer weltweit wachsenden Bevölkerung und dem Druck auf die Lebensmittelsicherheit bietet Hirse eine nachhaltige Lösung für die Landwirtschaft der Zukunft. Ihre genügsamen Anbaubedingungen minimieren den Bedarf an chemischen Düngemitteln und Pestiziden, reduzieren den Wasserbedarf und tragen zur Biodiversität bei. Forscher und Agrarwissenschaftler erkennen zunehmend das Potenzial von Hirse als Hauptakteur in der Bekämpfung von Ernährungsunsicherheit und in Unterstützung klimaresistenter Landwirtschaft.

Die Rispenhirse (Panicum miliaceum) beispielsweise war schon lange elementar wichtig für die Ernährung der Menschheit. Innerhalb von nur drei Monaten reift sie heran. Diese kurze Wachstumsperiode ermöglicht es, sie sogar im kalten Nordeuropa noch auszusäen, wenn anderes Getreide bei späten Frösten auf den Feldern erfroren ist. In wärmeren Regionen zeigt sie sich erstaunlich resistent gegen Dürre. Und was an Überschuss erwirtschaftet wird, lässt sich gut lagern.

Rispenhirse war schon in der Bronzezeit beliebt

Die Körner der Rispenhirse sind durch eine harte Umhüllung, die Spelzen, gut vor Insektenfraß und Pilzbefall geschützt. Ein weiteres Plus ist die leichte Zubereitung. Es braucht kein langes Kochen wie bei anderen Getreidearten, sondern die Hirse wird bereits durch kurzes Quellen mit heißem Wasser in einem Lederbeutel oder einer offenen Schale genießbar. Aus diesem Grund schätzten sie etwa mobile Reiternomaden als nahrhafte Mahlzeit »to go«. Schon in der Bronzezeit wussten die Menschen weltweit um die Vorteile der Rispenhirse.

Forscherinnen und Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben nun den Ausbreitungsweg der Rispenhirse im Detail rekonstruieren können. Das Getreide breitete sich demnach von Asien kommend nach Mitteleuropa aus. Um 1600 v. Chr. erreichte die Rispenhirse die nördliche Schwarzmeerregion, rund 100 Jahre später die norditalienische Po-Ebene. Um 1400 v. Chr. war sie auf der anderen Seite der Alpen angekommen, noch einmal 200 Jahre brauchte sie dann bis in den Norden Europas. Das Getreide hatte sich über Handelsnetzwerke verbreitet. Doch als diese Handelswege zusammenbrachen und der Austausch beispielsweise von Bronze fast vollständig zum Erliegen kam, wurde die Hirse weiterhin überall angebaut.

Das zeigt, folgern die Forscherinnen und Forscher, dass lebenswichtige Güter wie Getreide nicht international gehandelt wurden und sich so eine Resilienz gegenüber internationalen Krisen entwickelte. Aus dieser Praxis, mahnen sie, könnten wir durchaus auch für die heutige Zeit Lehren ziehen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.