Schnee in der Wüste – ist das möglich?

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Schnee in der Wüste
Foto: napsterio // Adobe Stock
Die Sahara ist ein heißer Ort voller Sand? Falsch, denn manchmal fällt sogar Schnee in der Wüste. Doch wie kommt es dazu?

Trotz der Hitze, die beispielsweise die Sahara charakterisiert, zeigt sich das Wettergeschehen hier von einer überraschenden Seite: Schnee in der Wüste ist zwar selten, aber nicht unmöglich. Dieses Phänomen sorgt weltweit für Aufsehen, denn der Kontrast von schneebedeckten Sanddünen bietet ein faszinierendes und ungewöhnliches Bild.

Die größte Trockenwüste der Welt ist als heißer und sandig-felsiger Ort bekannt: Tagsüber steigen die Temperaturen in der Sahara mitunter auf mehr als 50 Grad Celsius. Dennoch gibt es manchmal Schnee in der Wüste und Eiskristalle durchziehen die Dünen. Wie kommt es zu solch überraschenden Wetterereignis? Damit Schnee fällt, braucht es Kälte und feuchte Luft. Unter klarem Himmel wird es in der Wüste nachts schnell kalt, sogar Bodenfrost ist kurzzeitig möglich. Besonders eisig wird es dort, wo in der Sahara Berge aufragen: Bis zu 4167 Meter hoch sind etwa die Gipfel des Atlasgebirges, das sich auf 2500 Kilometern über Marokko, Algerien und Tunesien erstreckt. Hier können die Temperaturen sogar auf weniger als minus zehn Grad Celsius fallen. Das Atlasgebirge trennt die Küsten Nordwestafrikas von der Sahara. Im Winter zieht die kühle, feuchte Seeluft vom Mittelmeer und vom Atlantik in Richtung des Gebirges.

Temperaturschwankungen zwischen 50 Grad und dem Gefrierpunkt sind hier möglich

Ist es an solchen Tagen frostig genug, regnet es an den Bergen nicht, sondern es schneit. Und wenn dann auch noch die Erdoberfläche in der gebirgigen Wüste ausreichend kalt ist, bleiben die Eiskristalle als Schneedecke liegen. Besonders häufig dokumentiert ist dieses Phänomen in der Wüstenstadt Aïn Séfra. Ihr Spitzname: „Tor zur Wüste“. Sie liegt in den südlichen Ausläufern des Atlasgebirges, etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Lange war Schnee hier äußerst selten. Weiße Flocken sah man im Jahr 1979 – und danach für fast 40 Jahre nicht mehr. Doch 2016 fiel erneut Schnee, fast einen Meter hoch. Seitdem schneite es hier beinahe jedes Jahr. Allerdings nicht immer so intensiv: Einige Male bildete sich auch nur ein dünner Frostmantel.

Beobachtungen zeigen, dass die Häufigkeit von Schneefällen in Teilen der Sahara in den letzten Jahren zugenommen hat, was auch auf die Effekte des Klimawandels zurückzuführen sein könnte. Extreme Wetterbedingungen und schwankende Temperaturen sorgen für unerwartete Wetterphänomene wie Schnee in der Wüste. Wissenschaftsteams analysieren solche Ereignisse, um mehr über die veränderlichen Muster des Weltklimas zu erfahren und die Auswirkungen des Klimawandels auf unterschiedliche Ökosysteme besser zu verstehen.

Seit 2016 schneit es fast jedes Jahr in der Wüstenstadt Aïn Séfra

Dass Schnee in der Wüste Auswirkungen auf die Umwelt hat, liegt durch die großen Temperaturunterscheide nahe:

1. Albedo-Effekt: Schnee und Eis reflektieren mehr Sonnenlicht zurück ins Weltall als dunkle Bodenoberflächen. Dieses Phänomen wird als Albedo-Effekt bezeichnet. In der Sahara würde Schnee, auch wenn er nur kurz liegen bleibt, das Albedo (die Oberflächenreflektivität) vorübergehend erhöhen. Dies könnte dazu führen, dass weniger Sonnenenergie absorbiert wird, was theoretisch zu einer lokalen Abkühlung führen könnte. Doch aufgrund der Seltenheit und der geringen Ausdehnung solcher Ereignisse ist dieser Effekt auf das Gesamtklima der Region vernachlässigbar.

2. Bodenfeuchtigkeit: Schnee kann als Quelle für Feuchtigkeit dienen, wenn er schmilzt und in den Boden eindringt. In einer Wüste wie der Sahara, wo Wasser extrem knapp ist, könnte das Schmelzwasser die Bodenfeuchtigkeit lokal erhöhen und die Bedingungen für Pflanzenwachstum vorübergehend verbessern.

3. Ökosysteme: Schnee könnte, auch wenn er nur kurz liegen bleibt, einen unmittelbaren Einfluss auf die dort lebenden Tiere und Pflanzen haben. Für einige Organismen kann das eine zusätzliche Herausforderung darstellen, da sie an die extremen trockenen und heißen Bedingungen angepasst sind und daher mit Kälte und Feuchtigkeit schlechter zurechtkommen könnten.

 

Letztlich sind diese Auswirkungen sehr gering und ändern nichts an der Tatsache, dass die Sahara einer der trockensten und heißesten Orte der Erde bleibt. Interessant sind solche seltenen Schneefälle allerdings aus wissenschaftlicher Sicht, da sie Informationen über ungewöhnliche meteorologische Muster liefern können und vielleicht neue Daten zur Überwachung des Klimawandels beisteuern.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.