Schuldenuhr Europa: Welche Länder haben wie viel Schulden?

von
Schuldenuhr Europa
Foto: VAKSMANV // Adobe Stock
Welches Land hat wie viel auf der Schuldenuhr in Europa und wie genau wird sie eigentlich berechnet? Ein kleiner Exkurs in die Finanzwelt von Europa.

Wer hat wie viel auf der Uhr – genauer gesagt auf der Schuldenuhr Europa? Eine Staatsverschuldung setzt sich aus vielen verschiedenen Aspekten zusammen. Die Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden werden zusammengerechnet mit den Schulden bei Kreditgebern aus dem In- und Ausland. Schulden entstehen dann, wenn das Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein gefährliches Ausmaß erreicht hat.

Was steht auf der Schuldenuhr Europa?

Auf der Schuldenuhr der einzelnen Länder kann man ihre Staatsschulden in sekundengenauer Echtzeit sehen. Meist steigen sie, die Uhr kann jedoch auch rückwärts laufen. Das bedeutet, dass Schulden beglichen werden ohne einen weiteren Kredit aufzunehmen. Die Wirtschaftsleistung liegt also über der Verschuldung. Initiiert wurde die Schuldenuhr 1949 vom Bund der Steuerzahler in Wiesbaden, wo die Geschäftsstelle zu dieser Zeit ansässig war, heute findet man sie online – das Original steht in Berlin. Doch wie viele Schulden kann sich ein Land leisten? Laut Experten wird es brenzlich, wenn kommende Generationen die Grenze von 60% des BIPs nicht mehr ohne große Anstrengung erreichen können.

Doch woher entstehen diese Schulden überhaupt? Hauptsächlich entwickeln sie sich aus Verzinsungen von geliehenem Geld von Investoren an den Staat. Je höher die Verschuldung ist, umso höher die Schwankungen von Zinsen. Ein Prozentsatz bedeutet hier 14 Milliarden Euro jährlich mehr Zinskosten.

Welches Land in der EU hat die wenigsten Schulden?

Die mit 18,5 Prozent des BIP geringste öffentliche Verschuldung innerhalb der EU hat das kleine Estland (zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt beträgt 83,1 Prozent, und Deutschland liegt bei 64,6 Prozent). Der Staat im Baltikum galt in dieser Disziplin schon bei Einführung des Euro im Jahr 2011 als Musterschüler. Estland ist bekannt für eine konservative Haushaltspolitik, die der Staat auch zuletzt beibehielt – trotz notwendiger unerwarteter Ausgaben, zum Beispiel zum Eindämmen von Energiekosten infolge von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auf Platz zwei in der Liste folgt Bulgarien mit einem Schuldenstand von 21,5 Prozent. Der ärmste Mitgliedsstaat der EU arbeitet weiterhin daran, seine Integration im Bündnis zu stärken: In diesem Jahr tritt Bulgarien etwa dem Europäischen Schengen-Raum bei.

Die ursprünglich ebenfalls für dieses Jahr geplante Einführung des Euro musste Bulgarien jedoch aufgrund seiner hohen Inflationsrate auf 2025 verschieben. Das Land litt zuletzt zudem unter einer politischen Krise mit fünf Parlamentswahlen innerhalb von nur zwei Jahren, auch die verbreitete Korruption gilt als großes Problem. Auf den weiteren Rängen in dem Schuldenranking folgen Luxemburg mit 28,2 Prozent und Dänemark mit 30,2 Prozent. Die letzten Plätze nehmen nach wie vor Griechenland (166,5 Prozent) und Italien (142,4 Prozent) ein.

Stand: Januar 2024

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.