Wie die Esperanto-Sprache die Welt vereinen sollte

von
Esperanto-Sprache
Foto: lobro // Adobe Stock
Eine Sprache, die Menschen jeder Herkunft vereint: Das war die Hoffnung ihres Erfinders. Kein Wunder, dass die Nazis Esperanto-Sprache bekämpften.

Eine leicht erlernbare Sprache zum Wohle der Völkerverständigung und des Weltfriedens: Das war die Idee des Augenarztes Ludwik Lejzer Zamenhof (1859 bis 1917). Im Jahr 1887 veröffentlichte er unter dem Pseudonym »Doktoro Esperanto« (»Doktor Hoffender«) ein Büchlein zu seiner »internationalen Sprache«, später Esperanto-Sprache genannt, die man viermal so schnell lernen können soll wie Englisch. Grammatik und Aussprache folgen 16 einfachen Regeln, der Wortschatz ist leicht verständlich. Zamenhof entwickelte Esperanto, um eine leicht erlernbare und politisch neutrale Sprache zu schaffen, die die Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Muttersprache erleichtern sollte und so als eine Brückensprache zur Förderung des internationalen Verständnisses und Friedens dienen könnte.

Bessere Verständigung, weniger Konflikte?

Schnell fand diese neue Sprache Anhänger – und hieß bald selbst Esperanto-Sprache. Zamenhof war als Jude in der damals russischen, heute polnischen Stadt Bialystok aufgewachsen und hatte schon als Kind gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Polen, Deutschen, Litauern und Weißrussen, aber auch Pogrome gegen Juden miterlebt. Eine gemeinsame Sprache, so seine Idee und Hoffnung, könnte derartige Gewaltausbrüche in Zukunft verhindern helfen. 

Ab der Jahrhundertwende war Esperanto vor allem unter Akademikern beliebt; 1905 fand in Frankreich der erste Esperanto-Weltkongress statt, und 1928 gab es allein im Deutschen Reich 441 Esperanto-Gruppen. Als Weltsprache konnte die »internationale Sprache« sich jedoch nicht durchsetzen. Unter den Nationalsozialisten war es verboten, sie zu lehren oder auch nur zu fördern, weil sie angeblich »den wesentlichen Wert völkischer Eigenheiten schwäche«, auch Stalin ließ die Anhänger der Sprache verfolgen. Heute sprechen Schätzungen zufolge aber immer noch einige Hunderttausend Menschen aktiv Esperanto.

Der Aufbau der Esperanto-Sprache ist einfach

Die Esperanto-Sprache ist eine Plansprache mit einer einfachen Grammatik und einem festgelegten Wortschatz. Die meisten Wörter stammen aus europäischen Sprachen, was es für viele Europäer leichter macht, die Sprache zu erlernen. Die Grammatik ist weitgehend regelbasiert, ohne Ausnahmen, was die Sprache zugänglicher und konsistenter macht als viele natürliche Sprachen.

Grammatik und Wortbildung

Die Grammatik von Esperanto ist auf 16 Grundregeln aufgebaut. Diese Regeln umfassen unter anderem:

  • Alle Substantive enden auf „-o“.
  • Alle Adjektive enden auf „-a“.
  • Verben sind nicht flektierbar und haben einheitliche Endungen für verschiedene Zeitformen.

Auch die Wortbildung in Esperanto ist sehr systematisch. Durch die Kombination von Wurzeln mit verschiedenen Präfixen, Suffixen und Endungen können leicht neue Wörter gebildet werden. Dies macht den Wortschatz flexibel und erweiterbar.

Verbreitung und Anwendung

Seit der Veröffentlichung hat Esperanto eine treue Anhängerschaft gewonnen, die die Sprache weltweit fördert und verwendet. Es gibt eine Vielzahl von Esperanto-Organisationen, -Kongressen und -Veranstaltungen, bei denen sich Sprecher aus verschiedenen Ländern treffen und die Sprache praktizieren.

Mit dem Aufkommen des Internets und der sozialen Medien hat Esperanto eine neue Plattform zur Verbreitung gefunden. Es gibt zahlreiche Websites, Foren und Social-Media-Gruppen, die den Gebrauch und das Erlernen von Esperanto fördern. Auch Online-Kurse und Sprach-Apps wie Duolingo bieten Esperanto als Lernoption an, was zur wachsenden Popularität der Sprache beiträgt.

Über die Jahre wurden viele literarische Werke ins Esperanto übersetzt, und es gibt auch eine Vielzahl von Originalwerken, die auf Esperanto geschrieben wurden. Dazu gehören Gedichte, Romane, Theaterstücke und Musik. Eine der bekanntesten kulturellen Veranstaltungen ist der jährliche Weltkongress der Esperanto-Sprecher, der in verschiedenen Städten weltweit abgehalten wird.

Die Bedeutung der Esperanto-Sprache heute

Obwohl Esperanto nie die universelle Weltsprache geworden ist, wie Zamenhof es ursprünglich hoffte, hat es dennoch eine bedeutende Gemeinschaft von Sprechern und Anhängern gewonnen. Die Sprache bleibt ein faszinierendes Beispiel für eine künstlich geschaffene Sprache, die reale Kommunikationsbarrieren überwinden will. Die beständige Popularität und das fortgesetzte Engagement ihrer Gemeinschaft zeugen von der fortdauernden Relevanz und den Idealen, die Zamenhof mit Esperanto verband.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.