Wie viele Doppelgänger hat ein Mensch?

von
Wie viel Doppelgänger hat ein Mensch
Foto: Olya Komarova // Adobe Stock
Es gibt etwas 7 Milliarden Menschen auf dieser Welt. Doch wie viele Doppelgänger hat ein Mensch unter ihnen?

Das Konzept der Doppelgänger bezieht sich darauf, dass es Menschen gibt, die einander so ähnlich sehen, dass sie optisch kaum zu unterscheiden sind. Es gibt keine exakte wissenschaftliche Anzahl dafür, wie viele Doppelgänger ein Mensch haben kann, da dies von vielen Faktoren abhängt, wie genetische Vielfalt und Zufall.

Allerdings gibt es einige interessante Studien und Theorien dazu. Eine weitverbreitete Annahme besagt, dass die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden, der genau wie man selbst aussieht, extrem gering ist, obwohl es fast acht Milliarden Menschen auf der Erde gibt. Trotzdem gibt es immer wieder Berichte von Personen, die „ihrem Doppelgänger“ begegnet sind.

Tools wie Gesichtserkennungstechnologien und genetische Untersuchungen könnten in Zukunft präzisere Aussagen dazu ermöglichen. Aktuell bleibt das Phänomen jedoch größtenteils ein faszinierendes Rätsel. Die Behauptung jedoch, dass jeder Mensch sieben Doppelgänger hat, ist ein populärer Mythos und keine wissenschaftlich fundierte Tatsache. Die genaue Herkunft dieser Behauptung ist schwer festzustellen, aber sie scheint aus der Annahme zu stammen, dass unter den Milliarden von Menschen auf der Erde zumindest einige mehrere fast identische Doppelgänger haben müssten.

Wissenschaftliche Perspektive

Genetiker und Anthropologen haben festgestellt, dass die genetische Vielfalt innerhalb der menschlichen Spezies immense Unterschiede in Aussehen und Merkmalen hervorbringt. Zwar gibt es Gesichtszüge, die bei vielen Menschen ähnlich sind, und es können zufällige Ähnlichkeiten auftreten, aber die Wahrscheinlichkeit, sieben nahezu identische Doppelgänger zu finden, ist extrem gering.

Eine Studie aus dem Jahr 2015, die die Ähnlichkeiten von Gesichtern mithilfe von Gesichtserkennungstechnologien untersuchte, ergab, dass die Chance, jemanden zu finden, der einem fast genau gleicht, etwa bei 1 zu 135 stehen könnte. Dies bedeutet, dass es möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich ist, mehrere nahezu identische Doppelgänger zu haben.

Rolle der Statistik und Zufall

Die hohe Bevölkerungszahl der Erde erhöht die Wahrscheinlichkeit statistisch gesehen, dass Doppelgänger existieren. Wenn man jedoch berücksichtigt, wie viele Merkmale – Augenform, Nasenstruktur, Mundform, Hautfarbe, Haarstruktur und mehr – zusammenpassen müssen, um eine nahezu identische Übereinstimmung zu erzielen, wird die Wahrscheinlichkeit schon wieder deutlich niedriger.

Wie viele Doppelgänger hat ein Mensch – und haben wir mit ihnen mehr gemeinsam als das Aussehen?

Wer jemandem zum Verwechseln ähnlich sieht, hat mit der Person oft auch weitere Merkmale gemeinsam – und das sogar dann, wenn der andere Mensch ein völlig Fremder ist. Das legt zumindest eine Studie des Genetikprofessors Manel Esteller von der Universität Barcelona nahe. Sein Team untersuchte 64 Doppelgänger aus der ganzen Welt. Die 32 Paare hatten an einem Fotoprojekt des kanadischen Fotografen François Brunelle teilgenommen, der über Jahre einander im Gesicht sehr ähnlich sehende Menschen im Internet ausfindig gemacht hatte. Für die Forschung erklärten sich die Paare bereit, Untersuchungen über sich ergehen zu lassen: Sie machten umfangreiche DNA-Tests und füllten Fragebögen zu ihrer Lebensweise aus. Zudem ließen sie ihre Gesichter von einer Gesichtserkennungssoftware analysieren. Dabei stellte sich heraus, dass 16 der 32 Paare sich optisch so ähnlich waren wie sonst nur eineiige Zwillinge.

Mit ihnen stellte Esteller weitere Untersuchungen an, deren Ergebnisse überraschen. So glichen sich die Doppelgängerpaare oft nicht nur im Gesicht, sondern hatten auch ein ähnliches Gewicht und eine ähnliche Körpergröße. Größere Übereinstimmungen gab es auch bei Verhaltensmerkmalen, etwa bei Rauchgewohnheiten, oder dem Bildungsstand. Esteller will die Ergebnisse für seine Forschung nutzen, die nach Zusammenhängen zwischen dem Aussehen von Menschen und ihrem Genom sucht. Ziel ist es, ein Verfahren zur Rekonstruktion von Gesichtern allein aus DNA zu entwickeln – und umgekehrt aus der Analyse von Gesichtern Rückschlüsse auf das Erbmaterial zu ziehen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.