Aßen frühe Siedler in Amerika ihre eigenen Hunde?

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Person, Human, Boat
Foto: © akg / North Wind Picture Archives
Archäologen haben bei Forschungen im US-Bundesstaat Virginia in Abfällen neben Fischgräten und Muschelschalen den Unterkiefer eines Hundes entdeckt. Mussten die Siedler in der »Hungerzeit« ihre treuen Freunde essen, um zu überleben?

Der Winter 1609/1610 war besonders hart in der ersten englischen Siedlung im heutigen US-Bundesstaat Virginia. »Hungerzeit« wurde er von den Einwanderern genannt, die in Jamestown um ihr Überleben in der Neuen Welt kämpften. In den Abfällen dieser schrecklichen Jahre fanden Archäologen zwischen Fischgräten und Muschelschalen sogar den Unterkiefer eines Hundes – er zeigte ganz eindeutige Schlachtspuren. Mussten die Siedler ihre treuen Freunde essen, um zu überleben? 

Ein Team um Ariane Thomas von der University of Iowa hat die mitochondriale DNA – das Erbgut, das von der Mutter stammt – aus diesem und einem weiteren Hundekiefer untersucht und mit dem Erbgut von anderen damaligen und heutigen Hunden verglichen. Dabei kam heraus, dass die Engländer keine ihrer eigenen, aus Europa mitgebrachten Hunde verzehrten. Stattdessen waren die geschlachteten Hunde aus Jamestown am ehesten mit einheimischen Hunden aus Illinois und Ohio verwandt, weitläufiger auch mit arktischen Hunden.

Einige Jahre später Verbot ein Gesetz den Verkauf der Hunde an Einheimische

Bei den eigenen Hunden der Engländer handelte es sich in der Regel um wertvolle Jagdhunde europäischer Abstammung. Einige Jahre später wurde sogar ein Gesetz erlassen, das den Verkauf der englischen Hunde an Einheimische verbot, um die Zucht von Mischlingen zu verhindern. Als Nächstes hofft das Team die gesamte Kern-DNA entschlüsseln zu können, um die Väter der Tiere zu suchen. Denkbar wäre noch, dass es sich bei den in der Not getöteten Tieren tatsächlich um Mischlinge handelte, die als weniger wertvoll betrachtet wurden.

 

(Text: Angelika Franz)