War der Bau der Gizeh Pyramiden nur durch den Nil möglich?

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Gizeh Pyramiden
Foto: AlexAnton // Adobe Stock
Wie genau entstanden die Gizeh Pyramiden damals eigentlich und was hat ein ausgetrockneter Flußarm des Nils damit zu tun?

In einer Zeit, in der Ägypten politisch stabil und wirtschaftlich florierend war, konnten die Pharaonen Ressourcen für Großprojekte mobilisieren, die als Grabmäler für sie und ihre Familien dienen sollten. Gelegen auf dem Gizeh-Plateau, am Stadtrand von Kairo, repräsentieren die Gizeh Pyramiden nicht nur die technische und künstlerische Meisterschaft des Alten Ägyptens, sondern auch den Gipfel der Pyramidenbau-Entwicklung, welche über Generationen hinweg kultiviert wurde. Bis heute ist nicht genau bekannt, wie die schweren Steinblöcke im Jahr 2560 v. Chr. beim Bau der Großen Pyramide von Gizeh vom Ufer des Nils rund sieben Kilometer weit bis zum Bauplatz geschafft wurden.

Zwar war die Distanz vor 4500 Jahren noch nicht ganz so groß wie heute, da das Flussbett des Nils mit der Zeit gewandert ist. Doch auch zur Bauzeit betrug die Strecke mehrere Kilometer. Die Forschung vermutete allerdings schon lange, dass es damals einen Seitenzweig des Nils gab, den sogenannten Cheops-Arm, der bis dicht an das Plateau heranführte und schiffbar war. Für den Rest der Strecke gab es einen Kanal, auf dem Lastschiffe die schweren Steinblöcke bis direkt an den Bauplatz bringen konnten. Die hydraulische Wirkung der jährlichen Nilschwemme half dabei zusätzlich auf natürliche Weise nach.

Der Cheops-Arm führte früher bis dicht an das Plateau der Pyramiden heran

Die Existenz dieses Cheops-Arms konnte ein Team aus französischen, chinesischen und ägyptischen Wissenschaftler*innen um Hader Sheisha von der Universität Aix-Marseille in Frankreich nachweisen. Dafür untersuchten sie fünf Bohrkerne aus dem Bereich, in dem zu Zeiten des Pyramidenbaus noch Wasser geflossen sein müsste. In dem Sediment fanden sie tatsächlich Pollen von Pflanzen, die zum Wachsen viel Wasser brauchen: Papyrus, Seggen, Datteln, Palmen, Getreide und Farne. Das Team konnte so für einen Zeitraum von über 8000 Jahren zeigen, wann welche Pflanzen gediehen – und wann das Wasser nicht mehr ausreichte, um sie wachsen zu lassen. Die Ergebnisse passten zu Daten, die aus historischen Texten bekannt sind. Bis 3500 v. Chr. war es noch ziemlich feucht in Ägypten.

Dann aber wurde es trockener, die üppige Vegetation zog sich auf einen immer schmaleren Streifen entlang des Nils zurück. Als Cheops mit dem Bau seines riesigen Grabmals begann, war der Seitenarm des Nils zwar kein bedeutender Wasserweg mehr, reichte aber noch für die Speisung eines Kanals und zuverlässigen Schiffsverkehr. Erst um etwa 600 v. Chr. trocknete der Cheops-Arm dann vollständig aus.

Die drei Gizeh Pyramiden: Cheops, Khafre und Menkaure

Die bekannteste und zugleich größte der Pyramiden ist die Große Pyramide, auch als die Pyramide des Cheops (Khufu) bekannt. Sie wurde um 2560 v.Chr. im Laufe eines etwa 20-jährigen Zeitraums erbaut und galt für über 3.800 Jahre als das höchste von Menschenhand geschaffene Bauwerk der Welt. Mit einer ursprünglichen Höhe von 146,6 Metern (heute etwas geringer aufgrund des Verlustes der äußeren Verkleidungssteine) ist die Große Pyramide ein Wunder der Ingenieurskunst und Präzision. Sie besteht aus rund 2,3 Millionen riesigen Steinblöcken mit einem Durchschnittsgewicht von 2,5 Tonnen pro Block.

Nicht weit von Khufus Meisterwerk entfernt, steht die Pyramide seines Sohnes Khafre (Chephren). Obwohl diese etwas kleiner ist, wirkt sie ähnlich groß wie die des Khufu, da sie auf höherem Gelände steht und ihre Spitze noch Teile der originalen Kalksteinverkleidung besitzt. Die dritte Pyramide auf dem Plateau, die des Menkaure, ist deutlich kleiner, offenbart aber ebenfalls eine hoch entwickelte Bautechnik.

Die Große Sphinx von Gizeh, die größte Monolithstatue der Welt, steht Wache an der östlichen Seite des Gizeh-Plateaus. Dieses ikonische Kalkstein-Monument, das den Kopf eines Pharaos mit einem Löwenkörper kombiniert, ist ein Rätsel hinsichtlich seiner genauen Entstehungszeit und Funktion, wird aber oft mit Khafre in Verbindung gebracht.

Die Pyramiden von Gizeh sind nicht nur architektonische Wunderwerke, sondern weisen auch auf das komplexe astronomische und mathematische Verständnis der alten Ägypter hin. Die Pyramiden sind präzise nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet und demonstrieren die Fähigkeit der alten Ägypter, komplexe Berechnungen anzustellen und großangelegte Projekte zu planen und auszuführen mit einer Genauigkeit, die noch heute bewundert wird.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.