Neue Studie: Weitere Einblicke in die Antike Maya-Kultur

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Maya-Kultur
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Eine neue Studie bringt weitere spannende Fakten über die Maya-Kultur zum Vorschein. In Gräbern wurden wichtige Informationen über Gene gesammelt.

Genetische Untersuchungen in Chichén Itzá: Neue Einblicke in die Antike Maya-Kultur

Die antike Stadt Chichén Itzá auf der Halbinsel Yucatán in Mexiko, eine der bedeutendsten Maya-Siedlungen während der Spät- und Spätklassischen Periode (600–1000 n. Chr.), bleibt bis heute ein zentraler Fokus archäologischer Forschung. Trotz intensiver Studien gibt es weiterhin offene Fragen zur sozialen und kulturellen Nutzung zeremonieller Räume und zu den genetischen Verbindungen der Bevölkerung zu anderen mesoamerikanischen Gruppen. Eine aktuelle Studie bringt nun neue Erkenntnisse, indem sie Genomdaten von 64 subadulten Individuen analysiert, die aus der Zeit um 500–900 n. Chr. stammen und in einem unterirdischen Massengrab nahe des Heiligen Cenote im zeremoniellen Zentrum Chichén Itzás gefunden wurden.

Genetische Analysen und neue Entdeckungen über die Maya-Kultur

Die genetischen Untersuchungen offenbarten, dass alle analysierten Individuen männlich waren und einige von ihnen enge familiäre Bindungen aufwiesen, darunter auch zwei Paare eineiiger Zwillinge. Die Identifikation von Zwillingen in den Grabstätten der Maya ist von besonderer Bedeutung, da Zwillinge in der Mythologie der Maya und Mesoamerikas eine bedeutende Rolle spielen. Sie verkörpern oft die Dualität von Gottheiten und Helden, ein Symbol, das bisher in archäologischen Funden nicht nachgewiesen werden konnte.

Kontinuität und Veränderungen in der genetischen Struktur

Ein weiterer faszinierender Aspekt der Studie war der genetische Vergleich zwischen den alten Bewohnern von Chichén Itzá und den heutigen Menschen, die in der Region leben. Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte genetische Kontinuität, was darauf hindeutet, dass die heutigen Bewohner direkte Nachfahren der Maya sind. Allerdings wurden Unterschiede in bestimmten genetischen Loci festgestellt, die mit der menschlichen Immunität in Verbindung stehen. Besonders betroffen war der menschliche Leukozytenantigenkomplex (HLA), was auf Anpassungen infolge von Infektionskrankheiten hinweist, die während der Kolonialzeit in die Region eingeführt wurden.

Bedeutung und Implikationen der Forschung

Diese neuen genetischen Erkenntnisse liefern nicht nur wertvolle Informationen über die soziale Struktur und Familienverhältnisse in der antiken Maya-Gesellschaft, sondern beleuchten auch die tiefgreifenden Auswirkungen der Kolonialzeit auf die genetische Zusammensetzung der heutigen Bevölkerung Yucatáns. Die Feststellung der genetischen Kontinuität trotz äußerer Einflüsse unterstreicht die Widerstandsfähigkeit und kulturelle Persistenz der Maya-Nachkommen.

Zukunft der Forschung in Chichén Itzá

Die Ergebnisse dieser Studie eröffnen neue Perspektiven für zukünftige Forschungen in Chichén Itzá und anderen antiken Maya-Stätten. Weitere genetische und archäologische Untersuchungen könnten dazu beitragen, ein umfassenderes Verständnis der sozialen Strukturen und des kulturellen Erbes der Maya zu entwickeln. Dabei könnten nicht nur neue Entdeckungen über das Alltagsleben und die zeremoniellen Praktiken der Maya gemacht werden, sondern auch darüber, wie historische Ereignisse wie die Kolonialzeit die genetische Diversität und Anpassungsfähigkeit der heutigen Bevölkerung beeinflusst haben.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.