Wie machten sich Ritter schön?

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Foto: © ullstein bild - Archiv Gerstenberg
Ein Ritterturnier im Mittelalter begann so ähnlich wie eine Modenschau:

(Text: Manuel Opitz)

Bevor die stattlichen Männer im Lanzenstechen gegeneinander antraten, zogen sie auf ihren Pferden vor den Zuschauertribünen über den Turnierplatz, ließen sich bejubeln – und zeigten, was sie hatten: glänzende Rüstungen, lange Schwerter, leuchtende Satteldecken und ab dem 13. Jahrhundert vor allem Helme mit einem überdimensionalen Zierrat. Sie waren die Schmuckstücke der Ritter. Auf ihren Häuptern türmten sich Drachenfiguren, Einhörner, Schwäne oder Pflanzen aus Holz, Federn, Stoffen, Drahtgestellen und gekochtem Leder. Je ausladender, desto besser. Die Motive dieser aufwendigen Aufsätze – sogenannte Zimiere oder Helmkleinodien – hingen meist mit der Familiengeschichte und dem Wappen des jeweiligen Ritters zusammen. Zum Kämpfen in einer Schlacht waren die überdimensionierten Prunkhelme natürlich denkbar schlecht geeignet: Sie wurden in erster Linie bei Paraden für Turniere getragen oder sollten bei Waffenspielen vom Gegner abgehauen werden.

Der Artikel ist in der Ausgabe 9/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.