Warum sagen wir… »hardcore«?

von
Dirt Road, Road, Gravel
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Eine erstaunliche Karriere hat dieses Wort hingelegt: Vom technischen Begriff aus dem Straßen-, Brücken- und Häuserbau wurde es zum trendigen Ausdruck für alles, was extrem und intensiv gelebt oder ausgeübt wird – zum Beispiel in der Musik, im Sport oder auch beim Sex.

Am Ursprung stehen die zwei englischen Wörter »hard« und »core« – wörtlich auf Deutsch übersetzt: harter Kern. Zusammengezogen zum eigenständigen Wort erschien »hardcore« schriftlich zuerst 1859, und zwar als Bezeichnung für solide Fundamente aus Kies, Splitt, Bruchstücken von Ziegeln oder anderen Bauabfällen.

Ein paar Jahrzehnte später gab es den Begriff auch im übertragenen Sinn von »unnachgiebig«, »hart«. 1959 tauchte er dann eher überraschend in einem Spezialbereich auf, der ihm bis heute eine besondere »Färbung« verleiht: In ihrem 1964 erschienenen Werk zu Fragen der Zensur (»Censorship: The Search for the Obscene«) prägten die amerikanischen Juristen Morris Ernst und Alan Schwartz den Begriff »hardcore pornography« für sexuelle Darstellungen und Beschreibungen, die in ihren Augen den Tatbestand der Obszönität erfüllten und der Zensur zum Opfer fallen sollten.

„Hardcore“ wird oft als Synonym für „heftig“ benutzt

Die sexuelle Bedeutung von »hardcore« ist bis heute geblieben. Neu ist die Verwendung des Worts im Sinne von: »passioniert«, »engagiert« bis hin zu »besessen«, aber auch für »besonders hart« oder sogar »gewalttätig«. Ein paar Beispiele: Als »hardcore« bezeichneten junge Abgeordnete die dichten Sitzungswochen des Bundestags vor der Sommerpause; »hardcore« sind Politiker, die einen harten Kurs bevorzugen; und von »Hardcore«-Wissenschaftlern spricht man bei Forschern, die bis ins Mark von ihrem wissenschaftlichen Weltbild durchdrungen sind.

Darüber hinaus gibt es auch noch »Hardcore«-Wrestling – bei dieser Sonderform des modernen Wrestlings geht es besonders roh und blutig zu.

(Text: Sabine Schwabenthan)

Dieser Artikel ist in P.M. Fragen & Antworten 07/2020 erschienen.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.