Gräserallergie: Was tun und warum ist man überhaupt allergisch?

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Allergie auf Gräser
Foto: Kzenon // Adobe Stock
Eine Allergie auf Gräser kann einen von Frühling bis in den Spätsommer quälen. Warum Allergien gegen Gräser entstehen und was man tun kann.

Juckende Augen, laufende Nase und ständiges Niesen: Womöglich alles Symptome eine Gräserallergie. Für Allergiker und Betroffene von Gräserallergien wird die Pollenflugzeit zu einer echten Herausforderung. Fliegende Blütenpollen in der Luft und eine starke Pollenkonzentration, besonders in der Nähe von Bäumen, reizen die Schleimhäute extrem. Doch es gibt einige Dinge, die Linderung versprechen.

Symptome einer Gräserallergie

Die Symptome einer Gräserallergie variieren individuell in ihrer Intensität, treten jedoch typischerweise in der Pollensaison auf. Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

  • Nasenprobleme: Niesen, laufende oder verstopfte Nase
  • Augenbeschwerden: Juckende, rote oder tränende Augen
  • Atemwege: Husten, Atemnot oder asthmatische Beschwerden, Juckreiz im Rachen
  • Hautreaktionen: Juckreiz, Ekzeme oder Ausschlag

 

In einigen Fällen können auch allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen auftreten, welche die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.

 

Ein Teil dieser Symptome kann auch bei einer Alkoholallergie auftreten. Jedoch bestehen auch noch weitere.

 

Was tun gegen Gräserallergien?

Dauerhafte Beschwerden können ganz schön an den Nerven zehren, weshalb es einige hilfreiche Lösungen bei Gräser- und Gräserpollenallergie gibt.

1. Allergenkarenz

Der effektivste Weg, eine Gräserallergie zu behandeln und die Symptome zu minimieren, besteht darin, den Kontakt mit Gräserpollen zu vermeiden:

  • Im Haus bleiben: Die Hauptflugzeit der Pollen ist vor allem morgen. Zu dieser Zeit sollte man also besser drinnen bleiben.
  • Fenster schließen: Um Pollen nicht in der Wohnung zu verteilen, sollten Fenster und Türen möglichst geschlossen bleiben. Das Lüften sollte zwar nicht vernachlässigt werden, aber auch dies sollte nicht morgens passieren, wenn die Pollen am meisten fliegen.
  • Regelmäßig Duschen: Regelmäßiges Duschen kann helfen, die Pollen von der Haut und aus den Haaren zu entfernen. Gerade vor dem Schlafengehen ist das wichtig. Auch die Kleidung sollte regelmäßig gereinigt werden, denn auch auf ihr können sich Pollen festsetzen.

2. Medikamentöse Behandlung

Es gibt mehrere medikamentöse Optionen, die helfen können:

  • Antihistaminika: Diese Medikamente können helfen, Symptome wie Juckreiz und Niesen zu lindern. Die meisten Medikamente machen etwas müde, weshalb es ratsam ist, sie abends vor dem Schlafen einzunehmen. So ist man bei den meisten Produkten auch am nächsten Tag noch geschützt.
  • Nasensprays: Kortikosteroid-Nasensprays reduzieren Entzündungen und können die Nasensymptome erheblich verbessern. So kann man wieder freier durchatmen und die Nase läuft weniger.
  • Augentropfen: Antihistamin-Augentropfen können juckende und tränende Augen beruhigen. Diese kann man auch mehrmals am Tag verwenden. Auch das Auswaschen der Augen mit Wasser kann eine kurzfristige Linderung der Symptome bewirken.

3. Natürliche Heilmittel

Einige Menschen bevorzugen natürliche Heilmittel und Hausmittel gegen ihre Allergien:

  • Nasalspülungen: Salzwasserspülungen können Pollen aus den Nasengängen entfernen und die Nasensymptome lindern.
  • Honig: Es gibt Hinweise darauf, dass der Verzehr von lokalem Honig helfen könnte, die Allergiesymptome zu reduzieren, da er geringe Mengen an Pollen enthält, die die Desensibilisierung fördern könnten.
  • Histaminarme Ernährung: Lebensmittel wie Frischkäse, Kartoffeln, Mais, Reis und Früchte wie Pfirsich, Aprikose, Melone, Mango, Sauerkirschen, Brombeeren können Linderung verschaffen. Auf histaminreiche Ernährung sollte eher verzichtet werden.

4. Umgebung reinigen und Garten pflegen

  • Nutzen eines Luftreinigers mit HEPA-Filter: Dies kann helfen, Pollen aus der Raumluft zu entfernen, sodass zumindest Zuhause eine Besserung der Symptome eintreten kann.
  • Regelmäßiges Staubsaugen und Wischen: kann eine Verbesserung liefern. Auch Teppiche, die Couch, Decken und die Bettwäsche im Schlafzimmer sollte gereinigt beziehungsweise ausgetauscht werden.
  • Pollenschutzgitter:  vor den Fenstern oder an der Tür kann ebenfalls helfen, die Luft in der Wohnung rein zu halten und stört das Lüften nicht.

5. Immuntherapie

Bei schwereren Fällen kann eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) als langfristige Lösung hilfreich sein. Durch regelmäßige, kontrollierte Gabe von Allergenen über einen längeren Zeitraum hinweg wird das Immunsystem an die Allergene gewöhnt, was langfristig zu einer Reduktion der Symptome führt. In Form von Spritzen oder Tabletten werden minimale Mengen der Allergene aufgenommen. Frühere Begriffe wie die Desensibilisierung oder die Hyposensibilisierung sind mittlerweile veraltet, heute spricht man eher von einer Immuntherapie.

 

Wie bekommt man eine Diagnose?

Doch wie kann man überhaupt herausfinden, ob man eine Allergie gegen Gräser hat? Die Diagnose einer Gräserallergie erfolgt in der Regel beim Allergologen. Zwei gängige Methoden zur Bestätigung der Allergie sind:

  1. Prick-Test: Hierbei werden kleine Mengen von Gräserpollenextrakt auf die Haut aufgetragen und die Haut leicht angeritzt. Eine allergische Reaktion zeigt sich durch Schwellung und Rötung der Haut an der Teststelle.
  2. Blutuntersuchungen: Tests wie der Radioallergosorbent-Test (RAST) messen die Anwesenheit spezifischer Antikörper gegen Gräserpollen im Blut.

 

Gräser, die eine allergische Reaktionen auslösen können:

  • Wiesen-Fuchsschwanzgras
  • Roggen
  • Timothy-Gras (Wiesen-Lieschgras)
  • Gemeines Knäuelgras

 

Die Allergie auf diese Gräser, auch bekannt als „Pollinosis“ oder „Heuschnupfen“, ist eine verbreitete allergische Erkrankung, die auf die Überempfindlichkeit des Immunsystems gegenüber den Pollenproteinen bestimmter Gräserarten zurückzuführen ist. Aber was genau verursacht diese allergische Reaktion?

 

Warum haben Menschen überhaupt Allergien?

Um zu verstehen, warum manche Menschen eine Allergie auf Gräser haben, ist es wichtig, die grundlegende Funktion des Immunsystems zu verstehen. Das Immunsystem schützt den Körper vor schädlichen Eindringlingen wie Bakterien, Viren und Parasiten. Bei Menschen mit Allergien reagiert das Immunsystem jedoch über, wenn es mit eigentlich harmlosen Substanzen, den sogenannten Allergenen, in Kontakt kommt. Bei einer Gräserallergie sind diese Allergene die Pollenproteine der Gräser.

 

Denkprozess des Immunsystems bei Allergien

  1. Erste Exposition: Bei der ersten Begegnung mit Gräserpollen wird das Immunsystem von Menschen, die genetisch dazu veranlagt sind, die Proteine in den Pollen als Bedrohung zu identifizieren.
  2. Sensibilisierung: Das Immunsystem produziert spezifische Antikörper, sogenannte IgE (Immunglobulin E), die auf die Pollenproteine abgestimmt sind. Diese IgE-Antikörper binden sich an Mastzellen und Basophilen (bestimmte weiße Blutkörperchen).
  3. Wiederholte Exposition: Bei folgenden Expositionen binden sich die Pollenproteine an die IgE-Antikörper auf den Mastzellen und Basophilen, was zur Freisetzung von Histaminen und anderen entzündlichen Substanzen führt.
  4. Symptome: Diese freigesetzten Substanzen verursachen die typischen Allergiesymptome wie Niesen, Juckreiz, laufende Nase, tränende Augen und Atembeschwerden.

 

Weitere begünstigende Faktoren für eine Allergie auf Gräser

Genetische Prädisposition

Ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung von Allergien, einschließlich der Allergie auf Gräser, ist die genetische Veranlagung. Menschen sind eher geneigt, Allergien zu entwickeln, wenn sie nahe Verwandte haben, die ebenfalls unter Allergien oder Asthma leiden. Diese genetische Prädisposition beeinflusst, wie das Immunsystem auf verschiedene Allergene reagiert.

Umweltfaktoren

Neben der genetischen Veranlagung spielen auch Umweltfaktoren eine Rolle bei der Entwicklung einer Gräserallergie:

  1. Frühkindliche Exposition: Kontakt mit Allergenen in jungen Jahren kann das Risiko erhöhen, eine Allergie zu entwickeln.
  2. Urbanisierung: Leben in städtischen Gebieten mit höherer Luftverschmutzung und geringerem Kontakt mit natürlichen Allergenen kann das Immunsystem empfindlicher machen.
  3. Hygienehypothese: Diese Theorie besagt, dass ein sehr steriles Umfeld in der Kindheit das Immunsystem weniger trainiert und somit anfälliger für Allergien macht.

Psychosoziale Faktoren

Stress und psychische Gesundheit können ebenfalls die Symptome einer Allergie verschlimmern. Chronischer Stress kann das Immunsystem schwächen oder dysregulieren, sodass es empfindlicher auf Allergene reagiert.

 

Auch Kreuzreaktionen einer Allergie sind möglich

Menschen, die auf Gräserpollen allergisch sind, können auch Kreuzreaktionen mit anderen Pollen oder Nahrungsmitteln erleben. Dies geschieht, weil die Proteine in der Pollenstruktur von Gräsern denen in anderen Pflanzen oder Lebensmitteln ähnlich sind. Zum Beispiel können Pollenallergene in Gräsern und in einigen Früchte- und Gemüsesorten ähnliche Strukturen aufweisen, was zu sogenannten pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien führen kann.

Sarah arbeitet als Wissenschaftsjournalistin, unter anderem für „P.M.“ und „National Geographic“. Zum Journalismus kam sie über ihr Studium Modejournalismus/Medienkommunikation in München und Berlin. Auf ihrem beruflichen Weg sammelte sie auch Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen sowie im Marketing. Ihre Interessen liegen vor allem im Tierschutz, Feminismus und in der Kunst – und natürlich im Entdecken von spannenden Geschichten.